Die Attacken des Kreationisten Dr. Benno Kirsch wider die von ihm so bezeichneten ‚menschengedachten, auf die Natur projizierten Ideologien’ (gemeint sind die Denkvoraussetzungen der Evolutionsbiologie) haben im Internet einen gewissen Kultstatus erlangt. Nicht, weil es Kirsch gelungen wäre, die (O-Ton Kirsch) ‚geifernden Antikreationisten’ durch eine stringente Argumentation zu widerlegen. Vielmehr sind es die peinlichen Verfehlungen, gepaart mit bodenloser Ahnungslosigkeit, mit denen sich Kirsch gern selbst desavouiert.“

Martin Neukamm (10. März 2009)

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„Das ist so derartig ein Eigentor, so derartig unbeleckt von jeglicher Kenntnis zu dem Thema, da bleibt einem das Gehirn stehen.“

Sabine Schu

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„… dem Blog des evangelikalen Journalisten und Kreationisten Dr. Benno Kirsch“

Moses Immanuel Stern

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„Extraempfehlung: der total wöchentliche Realsatirepreis geht, wie aber eigentlich jede Woche, wieder mal an den Naturalismuskritiker.“

Sven Keeßen

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„dümmlich-unqualifiziert … hirnloses Soziologengequatsche“

Laborjournal

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„Jede Menge Eigentore“

Reinhold Leinfelder

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„Benno Kirsch ist ein kreationistischer Wissenschaftsjournalist aus Berlin. – Dieser Artikel sollte überarbeitet werden, da inhaltliche oder formale Mängel bestehen, wesentliche Inhalte fehlen oder Widersprüchliches berichtet wird.“

Esowatch Wiki

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„Mal ganz ehrlich, ein wissenschaftlicher Text klingt bei anders. Das klingt so, als hätte sich das ein Trottel oder ein Komiker ausgedacht, mich würde es nicht wundern, wenn man einen alten Genesis Text finden würde, mit der Überschrift: Eine Komödie.“

„Ich habe vergebens versucht ein Bild zu finden, entweder ist er so unfotogen, oder es gibt wirklich keins von ihm.“

„Dodoeskes Gequatsche“

Brightsblog

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„Eingebettet in einer Grußwort von Frau Merkel und in einen Artikel von Herrn Kohl, verkündet Herr Kirsch seine wissenschaftliche Inkompetenz in Sachen Evolutionstheorie. Das sind die Fakten. Herr Kirsch wird durch Radio Vatikan als Wissenschaftsjournalist bezeichnet, der er ‚quasi’ nicht ist.“

„Mit dieser Rezension bestätigt er seine Qualifikation für den Volksverdummungs-Preis.“

Brightsblog

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„Besten Dank für den Beitrag und insbesondere für die entlarvenden Zitate aus Kirschs Werken. Sie sagen über die Denkungsart dieses Politologen mehr aus, als jeder Kommentar.“

„Herr Kirschner hat den Dodo eindeutig verdient, aber dennoch es gibt jeden Monat soviele Vollidioten und so wenige Dodos.“

Brightsblog

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„Benno Kirsch desavouiert sich gern selbst. Offenbar gehört Benno Kirsch zu den bedauernswerten Menschen, die nicht wissen, was Argumentationen sind.“

„Der Mensch ist ein echter Glücksfall und die beste Reklame für die (AG) Evolutionsbiologie ;-)“

Freigeisterhaus

Bei allen Unterschieden im Detail formulieren Galilei, Newton, Gassend und Boyle im 17. Jahrhundert eine gemeinsame Idee, die sich grundsätzlich von dem vorher Gedachten unterscheidet und das Denken der Gegenwart bestimmt, erklärt Johannes Hirschberger in seiner „Geschichte der Philosophie“ (Band 2, Freiburg/Basel/Wien 1991, 13. Auflage).

Dieser neue Gedanke zeichnet sich durch drei Charakteristika aus: Erstens fußt er auf einer neuen Methode, der Induktion, die so neu allerdings auch nicht ist. Auch Aristoteles hätte sich ihrer bedient, wenn ihm denn die jetzt vorhandenen Instrumente zur Verfügung gestanden hätten. Der ganze Streit um Aristoteles ist insofern müßig, als sowohl seine Befürworter als auch seine Gegner nicht vom authentischen Aristoteles sprachen, sondern von einem konstruierten. Zweitens verlagert sich das Interesse von der „Wesenswissenschaft“ auf die „Geschehniswissenschaft“, das heißt, dass man jetzt nicht mehr die Substanz der Dinge und ihr Verhältnis zu den Akzidenzien im Blick hat, sondern, basierend auf der Erfahrung, einzelne Prozesse und deren Verhältnis zueinander. Drittens wird der herkömmliche Seinsbegriff, also die „Soseinsbestimmtheit (das Quale), die mit der Essentia oder dem Eidos gegeben ist,“ verdrängt durch den dynamisch-kausalen, der mit dem „Masse- oder Kraftquantum“ beschrieben wird. Damit wird jegliche Teleologie verdrängt.

„Die Physik absorbiert jetzt die Metaphysik; und dazu auch noch die Theologie und Ethik (…) Was zunächst nur Naturwissenschaft war, wird jetzt Philosophie schlechthin und umfasst das ganze Sein einschließlich des Menschen. Bei den Gründern der neuzeitlichen Physik wird dieser Schritt noch nicht vollzogen. Kepler ist gläubiger Protestant; Galilei ist gläubiger Katholik, trotz der Inquisition; ebenso der Atomist Gassend, und tiefgläubig ist auch Newton. Erst später wird der neue Seinsbegriff voll im Sinn des atheistischen Mechanismus und Determinismus ausgewertet werden.“

Hirschberger identifiziert drei Annahmen, auf denen das neue Verständnis von Wissenschaft beruht. Erstens glaubt man irrigerweise, die messbare Seite des Seins sei schon das Ganze der Wirklichkeit. Es ist natürlich möglich, von vornherein auszuschließen, dass es jenseits der quantitativen Ausdehnung etwas Lebendigen oder Materiellen keine Wirklichkeit gibt und dass man unter dieser Annahme Wissenschaft treiben kann. Bloß muss man dabei eben immer mitbedenken, dass es sich um eine Setzung handelt und nicht das Ergebnis eines wie auch immer gearteten Forschungsprozesses. Zweitens hat sich „der Grundgedanke des modernen wissenschaftlichen Weltbildes überhaupt“, der Gedanke nämlich, alle Entwicklung geschehe in einem „kontinuierlich in streng gleichmäßiger Notwendigkeit fließenden Kausalnexus“, als falsch herausgestellt. Es ist im Gegenteil eher so, dass die Natur permanent Sprünge macht und dabei das Kausalprinzip zwar nicht aufhebt, aber doch ergänzt. Drittens beruht die Annahme einer prinzipiellen Gegnerschaft der vorneuzeitlichen „Wesens- und Formphilosophie“ zur neuen Wissenschaft auf einem historischen Irrtum. Mag Augustinus „die ewigen Formen als Ideen im Geiste Gottes“ bestimmt haben, so hat bereits Cusanus „den ursprünglichen Zusammenhang wieder aufgedeckt, wenn er gerade im raumzeitlichen Zählen, Messen und Wägen den Weg sucht zur möglichsten Annäherung an die ewigen Formen.“

Moderne Wissenschaft ist noch nie ein autonomer Bereich, sondern ist stets eine Funktion gesellschaftlicher Zusammenhänge gewesen, erklärt Gottfried Küenzlen in „Der neue Mensch. Eine Untersuchung zur säkularen Religionsgeschichte der Moderne“ (Frankfurt am Main 1997). Alle „säkular-messianischen Bewegungen“ seit der Französischen Revolution versicherten sich des vermeintlichen Gleichklangs ihrer Ideen mit den Erkenntnissen der Wissenschaft, um ihr jeweiliges Projekt sich selbst und gegenüber anderen zu legitimieren. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war in den totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts erreicht, als die Wissenschaft „schon längst zur umfassenden Legitimationsinstanz der säkularen Moderne geworden“ war.

Anzunehmen, die Geburt der modernen Wissenschaft sei allein der Neugier des Menschen geschuldet und dem Wunsch, sich von religiösen Fesseln zu lösen, würde zu kurz greifen. Insbesondere nach der Reformation wurde offensichtlich, dass die Bibel für verschiedene Interpretationen offen ist und deshalb keinen festen Orientierungspunkt zur Bestimmung der Stellung des Menschen in der Welt liefern kann. Die exakten Wissenschaften hingegen versprachen eine Möglichkeit, den verborgenen „Weg zu Gott“ zu entdecken. Küenzlen zitiert zuerst Max Weber

„Gott ist verborgen, [dachten die pietistischen Theologen, – B.K.] seine Wege sind nicht unsere Wege, seine Gedanken nicht unsere Gedanken. In den exakten Naturwissenschaften aber, wo man seine Werke physisch greifen konnte, da hoffte man, seinen Absichten mit der Welt auf die Spur zu kommen.“

– und dann Friedrich Tenbruck:

„Die moderne Wissenschaft begann mit einem Bündel von Annahmen, Erwartungen und Hoffnungen nicht nur über ihre zukünftigen Erkenntnismöglichkeiten, sondern über deren Bedeutung für die objektive und subjektive Selbstvergewisserung, also in dem Glauben an ihren geschichtlichen Auftrag, die Menschen in das Licht der Gewissheit für sich selbst und ihre Angelegenheiten zu führen. Sie trug deshalb von Anfang an die Züge einer Heilslehre, die zu Apostolat und Mission im Kampf gegen die Mächte der Finsternis berufen war.“

Die Leerstelle, die die zurückweichende Religion hinterließ, wurde gefüllt von der „neuen Glaubensmacht Wissenschaft“, denn die Fragen, auf die Religion bisher immer eine Antwort gegeben hatte, waren ja nicht beantwortet, sondern stellten sich immer wieder aufs Neue. Auf diese Weise wurde Wissenschaft zur neuen Quelle von Orientierung; die Moderne beruht auf, wie Tenbruck sagt, dem „Legitimitätsversprechen der Wissenschaft“, einer Grundlage bis heute.

Im 19. und 20. Jahrhundert gewann die Verschränkung von säkularer Heilserwartung und Naturwissenschaft eine neue Qualität. Man glaubte, angesichts der rasanten wissenschaftlichen Fortschritte ein naturwissenschaftlich begründetes Weltbild entwickeln zu können, das das alte abzulösen beginnen würde. Dabei spielten die messianischen Bewegungen wie Marxismus und Nationalsozialismus eine besondere Rolle, indem sie den Auseinandersetzungen eine besondere Dynamik verliehen. Allerdings lässt sich die Heilserwartung auch außerhalb des politischen Messianismus, etwa in den Schriften Rudolf Virchows entdecken.

Inzwischen hat sich das Blatt allerdings insoweit gewendet, als ein „kultureller Fundamentalvorgang“ des Bedeutungsverlustes der Wissenschaft beschrieben werden kann. Tenbruck hat ihn „Trivialisierungsprozess“ genannt:

„Aus der anfänglichen Botschaft, dass die Wissenschaft dem Menschen alle seine wesentlichen Fragen beantworten und ihn somit in die Wahrheit stellen wird, wird nun umgekehrt die neue Lehre, dass nur diejenigen Fragen, welche sich strikt empirisch-logisch beantworten lassen, als zulässige Fragen gelten dürfen. Hinter dieser (…) Verwissenschaftlichung verbirgt sich der Versuch, die ursprünglichen Fragen nach zwei Jahrhunderten vergeblicher Bemühungen stillzulegen. So war die Wissenschaft nach 300 Jahren der Bedeutungssuche, nicht zuletzt getrieben durch das mit dem Axiom der Werturteilsfreiheit offenbar gewordenen Eingeständnis ihres Unvermögens, zur radikalen Umkehr ihrer ursprünglichen Verheißungen getrieben worden.“

Der nachlassende Glaube an die Begründungskraft wissenschaftlicher Erkenntnisse geht jedoch einher mit der Zunahme des Nutzens durch sie. Es ist die Erkenntnis, dass „die Wissenschaft selbst auf kulturellen Voraussetzungen ruht, die sich  nicht wiederum wissenschaftlich ausweisen lassen“, die zum Bedeutungsschwund der „Kulturmacht Wissenschaft“ beigetragen hat. Hinzu kommt die lebensweltliche Erfahrung, dass jedes gelöste Problem, einer Hydra gleich, neue Probleme gebiert und zusätzliche Verunsicherung auslöst. Dadurch wird sie offener für eine „Selbstpolitisierung“, das heißt die Tendenz von Wissenschaftlern, sich als Partei für oder gegen eine bestimmte Sache zu begreifen.

Gegenüber der Hoffnung, die Wissenschaft könne über sich selbst aufgeklärt haben und verabschiede sich nun von ihrem Weltdeutungsmonopolanspruch, ist indes Skepsis angebracht; der empirische Befund spricht dagegen.

„Es mag der ‚Glaube’ an die Wissenschaft verdünnt oder gar zerronnen sein: Geblieben ist die prinzipielle Problematisierung aller äußeren und inneren Wirklichkeit durch die Wissenschaft und ihre Fortschritte, die keine außerwissenschaftlichen kulturellen Gewissheiten unberührt ließ.“

Im Kino ist das ein beliebtes Genre: Da tun sich ein paar finstere Typen zusammen, hecken einen Plan aus und setzen ihn um. In der Regel geht es darum, Beute zu machen, sie aufzuteilen und am Ende aller Sorgen ledig zu sein. Doch dann kommt es ganz anders: Anstatt das Leben nun genießen zu können, hat man, wie es scheint, alles Unheil der Welt auf sich gezogen. Die Verbrecher streiten untereinander um das geraubte Geld, häufig kommt es zu Entwicklungen, mit denen vorher keiner gerechnet hat, zum Beispiel der Erkenntnis, dass es sich um Mafia-Geld handelt, eine Falle der Polizei oder anders mehr. Am Ende löst sich die Bande auf, und jeden ereilt sein verdientes Schicksal.

Im richtigen Leben ist es manchmal ganz ähnlich. Bei Kutschera und Konsorten ging es zwar nicht um Geld, doch ihres Lebens werden diese Typen, wie es scheint, nach ihrer Untat auch nicht mehr froh. Zuerst meinten sie, sie hätten einen großartigen Sieg errungen, als sie die Sperrung von Wolf-Ekkehart Lönnigs Homepage erreichen konnten und mittels einer Publikation nachtraten. Ein Sieg für die Wissenschaft und eine Niederlage für den Kreationismus, frohlockten sie. Doch am Ende stehen die an dem Mobbing Beteiligten nicht als glanzvolle Sieger da, sondern als heillos zerstrittene Gauner, die zu Recht dumm aus der Röhre gucken.

Als erster distanzierte sich Reinhold Leinfelder von dem von Kutschera zu „Ehren“ Lönnigs herausgegebenen Sammelband „Kreationismus in Deutschland“. Dann fühlte sich Andreas Beyer bemüßigt, sich von der rüden Art des „McCarthy aus Kassel“ abzusetzen. Und nun hat auch Thomas Waschke erkennen lassen, dass er nicht mit dem Rest identifiziert werden möchte. Auf Vorhalt von Lönnig, er teile die Schmähungen von Martin Neukamm und Andreas Beyer (PDF) schreibt Waschke (alias „El Schwalmo“) im Freigeisterhaus:

„Ich habe eine frühe Version des Textes gelesen und meine Korrektur des ersten Abschnitts kam bei einem der Autoren so schlecht an, dass ich mir nicht mehr die Mühe machte, zum Rest etwas zu sagen. Den Text, der im Buch erschien, habe ich vorher nie zu Gesicht bekommen. Daher hat es mich natürlich gewurmt, dass Lönnig nun behauptet, dass ich einen Text ‚korrigiert’ habe, was faktisch nicht stimmt. Lönnig konnte das nicht wissen, weil ich das bisher nicht öffentlich gemacht habe. Ich habe Lönnig nach Erscheinen seines Textes per Mail darauf hingewiesen, und er hat mir nur schulmeisterlich unter die Nase gerieben, dass ich nichts dagegen unternommen hätte, dass mein Name in der Danksagung unter der Internet-Version stünde, daher sei seine Darstellung vollkommen zutreffend. Da Lönnig seinen Text seither nicht mehr abgeändert hat, gehe ich davon aus, dass er weiter so schreiben wird. Das ist natürlich strategisch sehr geschickt von Lönnig, weil er mich so gegen die Autoren ausspielen möchte. Ich müsste mich daher immer bemühen, klarzulegen, wo ich die Auffassung oder Formulierung der Autoren teile und wo nicht. Vermutlich würden die Autoren sich dann mit mir kabbeln, und Lönnig könnte sich zurücklehnen.“

Nicht nur Lönnig kann sich zurücklehnen. Das Schauspiel, das Waschke und seine Kumpane geben, hat auch für das unbeteiligte Publikum einen großen Unterhaltungswert. Die kathartische Wirkung ist garantiert. Zuerst fiebert man mit den Bösewichtern mit, aber am Ende ist man doch froh, wenn sie verlieren. Es ist im Kino wie im richtigen Leben: Unrecht Gut gedeiht eben nicht.

Ganz offensichtlich bin ich wichtig. Ganz offensichtlich ist dieses Blog wichtig. Mir ist das bisher nicht klar gewesen, schließlich sind die Zugriffszahlen eher bescheiden. Doch seit wenigen Tagen weiß ich es besser, denn das Laborjournal hat mir und meinem Internet-Tagebuch das Editorial der aktuellen Ausgabe gewidmet.

Wie kam es dazu? Bei der Lektüre von Kutscheras letztem Buch „Tatsache Evolution“ hatte ich feststellen müssen, dass Kutschera dortselbst aus einem unveröffentlichten Manuskript von mir zitiert (ohne mich beim Namen zu nennen), das Zitat durch einen Einschub verfälscht und insgesamt den Eindruck zu erwecken versucht, ich hätte einen offenen Brief an ihn verfasst und diesen dann im Internet publiziert. Darüber hinaus suggeriert er, ich hätte etwas mit einem ebenfalls nicht namentlich genannten „Kantor“ zu tun. Gegen diesen unredlichen Umgang mit meinem geistigen Eigentum wehrte ich mich mit einem unfreundlichen Eintrag in diesem Blog.

In diesem Blog-Eintrag fragte ich mich unter anderem, wie Kutschera an ein unveröffentlichtes Manuskript von mir gelangen konnte, und stellte deshalb ein paar oberflächliche Nachforschungen an. Schnell fand ich heraus, dass ich das Manuskript am 30. Juli 2007 per E-Mail an einen Redakteur des Laborjournal, Hubert Rehm, gesandt hatte. Am 31. Juli 2007, berichtet Kutschera, erhielt er das Manuskript, also einen Tag nach Rehm. Da ich Grund zu der Annahme hatte (und habe), dass Rehm Kutschera wohlgesonnen ist, war für mich der Fall klar: Rehm hatte nichts Besseres zu tun gehabt, als meine E-Mail samt Datei-Anhang umgehend weiterzuleiten – etwas anderes konnte ich mir gar nicht vorstellen.

Allerdings hatte ich mich geirrt, wie ich wenig später einsehen musste. Denn vor kurzem meldete sich der Chefredakteur des Laborjournals, Ralf Neumann, bei mir und forderte mich zum Widerruf auf, weil Rehm ihm versichert hätte, sich nicht an mich zu erinnern, keine E-Mail von mir erhalten und deshalb auch nichts an Kutschera weitergeleitet zu haben. Allerdings würde er auch nicht alle E-Mails aufheben. Wenn er sie gleichwohl erhalten hätte, dann hätte es jedoch auch sein können, dass er sie an einen Gutachter weitergeleitet hätte. Rehm wandte sich unterdessen an Kutschera und bat ihn um eine Stellungnahme. Neumann zitiert aus der Antwort Kutscheras (Klammern im Original):

„… den BK-Artikel habe ich im Sommer 2007 mindestens 2 mal [... hier schreibt er von wem genau ...] zugesandt bekommen. Da diese gegen mich gerichteten [...] Aussagen später im Internet veröffentlicht wurden, habe ich den Urtext mit Datum zitiert. Von Ihnen habe ich nichts erhalten.“

Das war für mich hinreichend überzeugend: Ich nahm aus dem Post jeden Bezug auf Rehm und das Laborjournal heraus, veröffentlichte den Kommentar von Neumann und äußerte mein Bedauern darüber, dass ich Rehm zu Unrecht verdächtigt hatte. Und dann, dachte ich, wäre die Sache erledigt. War sie aber nicht.

  • Merkwürdige Strategie

Warum Neumann über die Kommentarfunktion an mich herantrat, verstand ich schon damals nicht. Meine Strategie wäre es gewesen, mich zunächst einmal im Vertrauen an den Betreffenden zu wenden und die Angelegenheit diskret aus der Welt bringen. Auf diese Weise, wäre meine Überlegung gewesen, könnte man das Problem lösen und zugleich beiden Seiten die Möglichkeit geben, ihr Gesicht zu wahren. Die Bitte Neumanns um Entfernung der Bezüge zu Rehm und dem Laborjournal zielte ja eigentlich auch in diese Richtung. Nur: Wert auf Diskretion legte er offensichtlich nicht, weil er sich ja über die Kommentarfunktion an mich wandte.

Aber bitte sehr, mir war es ganz recht, dass er sich öffentlich äußerte, denn der Inhalt seines Kommentars war sehr aufschlussreich: Ganz offensichtlich gibt es mindestens zwei Redaktionen, die sich so verhalten haben, wie ich es der des Laborjournals unterstellt hatte – ein interessanter Befund, der zeigt, wie wenig ein Autor im E-Mail-Zeitalter auf Diskretion hoffen kann. Normalerweise ist es mit einer E-Mail wie mit einem Brief: Sie ist einzig und allein an den Empfänger gerichtet, und der Empfänger hat nicht das Recht, sie ohne zu fragen an Dritte weiterzugeben. Die Technik macht die Verletzung des Briefgeheimnisses zwar leicht, aber legitim oder gar legal wird sie dennoch nicht.

Von Rehm wird in dem Editorial der aktuellen Laborjournal-Nummer berichtet, er sehe das anders, eine E-Mail müsse man nicht vertraulich behandeln, sofern der Absender dies nicht ausdrücklich verlange. Die Redaktion macht sich dieses eigenartige Rechtsverständnis zu eigen, indem sie bekräftigend erklärt: „Wir sind schließlich ein Veröffentlichungsorgan und kein Geheimdienst.“ Diese Ansicht liegt im Rahmen dessen, was man von Laborjournal-Redakteuren erwarten kann und ist insofern wenig aufregend. Sie sind und bleiben Sklaven ihrer Technik, unfähig zu erkennen, dass zwischen dem Instrument und dem, der es bedient, eine Wechselbeziehung besteht.

  • Auf Schülerzeitungsniveau

Warum Neumann & Co. die kleine Angelegenheit jetzt an die große Glocke hängen – wer weiß das schon. Einen intellektuellen Mehrwert enthält der Text jedenfalls nicht, allerdings ist er in einer weiteren Hinsicht sehr aufschlussreich (Klammern im Original):

„Kutschera schrieb, er habe im Sommer 2007 Kirschs Artikel mindestens zweimal erhalten. Einmal von einem Redakteur einer nicht im Lj-Verlag erscheinenden Zeitschrift und einmal von einem Herrn N. (Name der Redaktion bekannt), der ebenfalls kein Mitarbeiter des Lj-Verlags ist. Von Herrn Rehm jedoch habe er nichts erhalten. Er, Kutschera, halte die Aussagen, die Kirsch in seinem Artikel mache, für dümmlich-unqualifiziert. Sie würden belegen, dass viele Geisteswissenschaftler außer ihrem hirnlosen Soziologengequatsche nichts zu sagen hätten (hier lebhafte Zustimmung von Rehm). Man solle Kirsch und Co. ignorieren.“

Hier öffnet sich ein Abgrund. Dass die Redakteure (und Kutschera) zur Unterscheidung von Geistes- und Sozialwissenschaften nicht in der Lage sind, kann man ihnen gerade noch nachsehen. Aber die ganz unbefangene Rede vom „hirnlosen Soziologengequatsche“ deutet auf ein dramatisches Ausmaß von Vorurteilen gegenüber anderen Wissenschaftsdisziplinen hin, das einen nur noch ratlos macht. Und was soll man von der Illustration – eine Kirsche mit einem Wurm – halten? Das ist pubertär und allenfalls auf Schülerzeitungsniveau.

  • Er läuft und läuft und läuft

Kutschera übrigens – auch das ist bezeichnend – zieht die Camouflage weiter durch. In seiner Antwort an die Laborjournal-Redaktion schreibt er von einem „BK-Artikel“, offensichtlich weil er damit den Eindruck erwecken will, er sei auf Naturalismuskritik veröffentlicht worden. Was Kutschera aber übersehen hat: Als der betreffende Artikel im Dezember 2007 in der Politischen Meinung erschien, und zwar unter meinem vollen Namen, existierte dieses Blog noch gar nicht.

Christoph Lammers ist schon öfters durch seinen Mangel an Selbstreflexivität und Allgemeinbildung aufgefallen. Aber die muss man wahrscheinlich auch nicht vorweisen, wenn man als „Experte“ für Kreationismus durch die Lande zieht.

Jetzt wird er als Referent bei einer Veranstaltung „Streitfall Evolution. Zum Vordringen kreationistischen Denkens in Schule und Gesellschaft“ von „Helle Panke“ e.V. − Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin angekündigt. Der Berliner Verein finanziert seine Projekte nach Eigenauskunft mit Geldern der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die der Partei Die Linke (Ex-PDS Ex-SED/PDS Ex-SED) nahesteht.

Der Text, mit dem die Veranstaltung beworben wird, lässt ahnen, dass einen eine polit-religiöse Veranstaltung auf erschütternd niedrigem intellektuellen Niveau erwartet. Aber keine Bange, es könnte trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – lustig werden, wie man bereits den ersten drei Sätzen entnehmen kann:

„Charles Darwins Evolutionstheorie bildet heute die Grundlage der modernen Biologie. Sie ist mittlerweile auf wissenschaftlicher Ebene ein wichtiger interdisziplinärer Erklärungsansatz biologischer, sozialer und kultureller Prozesse. In unserer Gesellschaft lässt sich eine gegenteilige Entwicklung beobachten.“

Und wenn Lammers im weiteren Verlauf von den „beiden Staatskirchen“ fabuliert und außerdem ankündigt, „diese Problematik anhand von aktuellen Daten und verschiedenen Praxisbeispielen“ darzustellen, dann weiß man ja schon, wo man an jenem Abend garantiert nicht sein sollte. Man begebe sich lieber in die „Distel“ oder die „Wühlmäuse“; dort bekommt man das, was man dort erwarten kann: echtes Kabarett.

Es ist schon phänomenal, dass Martin Urban immer wieder einen Publikationsort für seine naturalistischen Attacken auf das Christentum findet. Vor kurzem gewährte ihm die „Zeitung kritischer Christen“, Publik-Forum (15/2009), zwei Seiten, auf denen er seinem Lieblingsthema nachgehen konnte: dem Verhältnis von Glauben und neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen über den Menschen. Dass sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche die Notwendigkeit sähen, beides miteinander in Einklang zu bringen, nimmt er zur Kenntnis, doch bezweifelt er, dass dies auch versucht würde.

Für Urban steht der Mensch vor einem grundsätzlichen Problem, das es ihm eigentlich verbieten müsste, über Gott auch nur zu reden:

„Der Mensch hat einen sehr begrenzten Verstand und einen durch unbewusste Kräfte eingeschränkten, wenig freien Willen. (…) Der Mensch kann mit seinen schwachen Sinnesorganen die Welt nicht erkennen. Er nimmt sie, anders als einfacher strukturierte Tiere, gar nicht direkt wahr, sondern erst in einer bereits von seinem Gehirn bearbeiteten Form. Optische Täuschungen sind ein erkennbarer Beleg dafür. Das heißt: Der Mensch ist gezwungen, aber auch fähig dazu, sich Bilder von der Welt zu machen. Diese sind aber nicht die Welt.“

Dank der Erkenntnisse der Neurowissenschaften wüssten wir, „wie und warum überhaupt wir uns Bilder machen.“ Da der Mensch nur Abbilder der Wirklichkeit erkennen könnte, sei das Gehirn so eingerichtet, dass der Mensch die Lücken – ohne es zu wollen oder verhindern zu können – durch verschiedene Deutungsmuster fülle. Naturgemäß seien deshalb aber Aussagen über die Grenze der Natur nicht möglich und über eine Sphäre jenseits der Natur schon gar nicht. Folgerichtig spricht Urban dem Auferstehungsbericht im Matthäus-Evangelium jeden Realitätsgehalt ab, die Jünger hätten „Visionen“ gehabt.

Um den Glauben mit der Naturwissenschaft zu versöhnen, empfiehlt Urban den Kirchen den Verzicht auf den Anspruch, Sätze über ein reales transzendentes Geschehen aufzustellen. „Statt der komplizierten ‚mysteriösen’ Definition dessen, was Taufe heißt, würde es zum Beispiel genügen, ein Kind mit der Taufe Gott anzuempfehlen.“ Sich auf die empirisch nachweisbaren Fakten zu beschränken, wäre in seinen Augen ein bedeutender Sprung in eine Zeit eines anderen Theismus, denn es gäbe dann „eine Chance, aus den verstaubten heiligen Räumen herauszukommen und sich in größerer Freiheit an der Auseinandersetzung über Gott und die Welt zu beteiligen.“

Was Urban hier vorträgt, ist nicht gerade neu. Er selbst verweist auf die historisch-kritische Forschung, die – bei allen Leistungen – die Hirne nicht weniger „fortschrittlichen“ Christen so weit vernebelt hat, dass sie gerne alle Stellen der Bibel, die nicht der Erfahrungswelt des 20. Jahrhunderts entstammen, als Mythos abtun wollen. In der radikalen Anwendung der historisch-kritischen Methode, für die Urban einiges übrig zu haben scheint, lässt sich bekanntlich alles „erklären“ – was letztlich auf die Leugnung der Gottessohnschaft Christi und überhaupt jedes transzendenten realen Geschehens hinausläuft.

Neu – gleichwohl sehr zeitgeistig – ist, dass Urban seinen Angriff auf den Kern des Christentums mit den „Erkenntnissen der Wissenschaft“ begründet. „Real“ ist für Urban indes nur das, was sich mit dem beschränkten Methodenarsenal der Naturwissenschaften messen lässt. Interessanterweise spricht er dennoch weiterhin von Gott – und zwar ohne Anführungszeichen. Wenn Urban jedoch konsequent wäre, würde er von „Gott“ reden, denn was sollte „Gott“ denn sein, wenn wir uns ja doch nur alles einbilden? Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass er – wenn er ihn je hatte – seinen Glauben verloren hat und diesen Verlust mit seiner Wissenschaftsideologie kompensieren will.

Dieser Tage erscheint Urbans neues Buch, in dem er, wie es in Publik-Forum heißt, „die Konsequenzen aus den Erkenntnissen der Forschung für unser Weltbild“ aufzeigen will. Man braucht nicht gespannt sein. Es wird nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zu Urbans eigener Kirche – oder besser „Kirche“ – sein, in deren Zentrum ein wohliges Gefühl steht, das er mit Religion verwechselt.

Zwar nimmt Ulrich Kutschera üblicherweise kein Blatt vor den Mund, wenn er sich an das gemeine Volk wendet, doch erst im Gespräch mit seinen Fachkollegen offenbart sich sein Denken ganz unverhüllt. In einem Aufsatz „The modern theory of biological evolution: an expanded synthesis“, der in der Fachzeitschrift Naturwissenschaften (91, 2004, S. 255-276) publiziert wurde, heißt es:

„We do however draw attention to the fact that the challenge posed by creationism is serious because it jeopardizes our future as a species by virtue of rejecting science and its philosophical basis (methodological naturalism) at every level and across all disciplines.“

Der Kreationismus ist also eine Gefahr für die Zukunft der Menschheit, sagen Kutschera und sein Co-Autor Niklas, weil er die Naturwissenschaften und ihre philosophische Basis, den methodologischen Naturalismus, ablehnt. Moment mal! Der Kreationismus soll eine Gefahr für die Zukunft der Menschheit sein? Machen die Witze? Diese Behauptung ist so absurd, dass man sich selber zwickt, um zu prüfen, ob man träumt. Doch man träumt nicht.

Immerhin: Wenn man weiß, dass der größte Pflanzenphysiologe aller Zeiten der Meinung ist, dass durch die Bekämpfung „des“ Kreationismus etwas zum Erhalt der menschlichen Gattung beigetragen werden kann, werden viele seiner Einlassungen erst verständlich. Er hält „den“ Kreationismus für eine große Gefahr, und zwar zunächst für die Naturwissenschaften, aber indirekt auch für die Menschheit, weil – das ist zumindest zu vermuten – durch Erkenntnisse zum Beispiel auf dem Gebiet der Medizin so viel Gutes geleistet werden konnte. „Den“ Kreationismus zu bekämpfen heißt also, die ungehinderte Erforschung von Krankheiten zu ermöglichen. Für Kutschera und Niklas zumindest.

Wer noch einen Funken gesunden Menschenverstand hat, wird verwundert den Kopf schütteln. Fast möchte man Kutschera und Niklas bemitleiden ob ihres wenig entwickelten Urteilsvermögens. Als ob „die“ Kreationisten in der Lage wären, ein multi-milliardenschweres Business – den Wissenschaftsbetrieb und die Pharmaindustrie – zu unterwandern oder auszuhöhlen (oder von was Kutschera sonst so phantasieren mag)! Allein die fünf großen deutschen Forschungsorganisationen bringen es auf einen Jahresetat von 7,8 Mrd. Euro. Wie hoch ist dagegen der Etat von Wort und Wissen?

Leider muss man die Aussage – so lächerlich sie auch sein mag – ernst nehmen. Denn Kutschera bekämpft zwar „nur“ die Kreationisten, die sich seinem Anspruch auf das Welterklärungsmonopol nicht fügen wollen. Um ihre Bastionen gleichsam sturmreif schießen zu können, hat er seine Propaganda auf Dauerbetrieb gestellt. Aber heißt das, dass „moderne“ bzw. „liberale“ Christen, denen er andernorts immer wieder Honig ums Maul schmiert, nichts von ihm zu befürchten hätten? Das zu glauben wäre naiv. Einer wie Kutschera – das zeigen seine Ausfälle nur zu deutlich – gibt erst Ruhe, wenn er seinen Gegner vollständig zu Boden gerungen hat, schließlich geht es um die Zukunft der menschlichen Art. Meint er jedenfalls.

Übrigens: Das, was Kutschera und Niklas als „methodological naturalism“ bezeichnen, ist nicht die philosophische Basis der Naturwissenschaften. Sie haben den ontologischen Naturalismus im Sinn. Der allerdings mag die philosophische Basis für das Tun und Trachten dieser beiden Autoren sein, aber ganz sicher nicht für die Naturwissenschaften.

Vor kurzem wurde auf einer großen Fachtagung die Frage gestellt, ob die Demokratie die geeignete Herrschaftsform sei, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen, oder ob man es nicht vielleicht mit autoritären Modellen versuchen solle. Ein Aufschrei der Empörung blieb aus, lediglich eher unbedeutende Kommentatoren wunderten sich über diese Chuzpe. Nun hat Claus Leggewie, einer der Organisatoren der Tagung, das Thema noch einmal in der Wochenzeitung Die Zeit behandelt.

Den Inhalt des Leggewieschen Textes wiederzugeben, fällt schwer. Titel, Untertitel und die im Verlauf gestellten (rhetorischen?) Fragen heben eindeutig auf die Frage nach der Zukunft der Demokratie im Angesicht vermeintlich menschheitsbedrohender Gefahren ab. Doch leider lässt Leggewie seine eigenen Fragen unbeantwortet und den Leser im Ungewissen. Stattdessen reiht er – isoliert gesehen – durchaus sinnvolle Gedankensplitter aneinander, die zusammen genommen jedoch nichts Ganzes ergeben.

Frage: „Wie krisenfest ist die Demokratie als Herrschafts- und Lebensform, und wie demokratiefreundlich ist eigentlich der Klimaschutz?“ Antwort: Das Beispiel USA zeigt, dass Demokratien vor der neuen Aufgabe versagen können, während „in den Konjunkturprogrammen der Volksrepublik“ – gemeint ist die Diktatur China – „schon mehr ‚Grün’ (steckt) als in denen der meisten Demokratien.“

Frage: „Gilt Winston Churchills bekanntes Diktum noch, die Demokratie sei die schlechteste aller Regierungsformen mit Ausnahme aller anderen? Und bringt ausgerechnet die politische Bearbeitung des Klimawandels einen Mehrwert für die Demokratie?“ Antwort: Irgendwie schon, denn „Klimapolitik kann nicht par ordre de mufti verordnet werden.“ Es ist nämlich so: „Staatliche Regulierung, Marktanreize, alternative Technologien sind nicht alles. Das Projekt einer klimaverträglichen Gesellschaft muss kulturell eingebettet werden.“

Nun, da Leggewie bei bewusstseinsverändernden Prozessen angelangt ist, könnte man eigentlich Entwarnung blasen – willkommen in den achtziger Jahren! Wenn es darum geht, Veränderungen „kulturell einzubetten“, dann besteht für die Demokratie keine Gefahr. Außerdem bietet sein Lebenslauf einige Gewähr für einen achtsamen Umgang mit den Grundwerten westlicher Gesellschaften. Leggewie wurde 1950 geboren und studierte Sozialwissenschaften und Geschichte. Es ist anzunehmen, dass er sich der Neugründung der Politikwissenschaft nach dem Krieg als Demokratiewissenschaft noch bewusst ist. Insofern hätte er sich das Herumgedruckse ruhig sparen können.

Allerdings darf man nicht die Rechnung ohne die anderen machen: Jene, die nicht kraft ihrer Ausbildung zu den Verteidigern der Demokratie gehören. Ihre Hybris – die Annahme, alle natürlichen Prozesse beherrschen zu können, und der Wille zu vergessen, dass der Mensch nicht allein Natur ist – ist es, die jeden Demokraten weiterhin aufmerksam bleiben lassen muss.

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