Der Papst hat von dem Vorhaben Abstand genommen, an der Römischen Universität „La Sapienza“ einen Vortrag über die Todesstrafe zu halten. Damit hat er sich eine unangenehme Begegnung mit Leuten erspart, die mit der Meinungsfreiheit wenig am Hut haben und die Trillerpfeife dem Argument vorziehen, zugleich aber die Universität in eine peinliche Situation gebracht. Sollte sie, wie man sogar spöttelt, in „Ignoranza“ umbenannt werden?

Die Begründung, mit der 67 Professoren die Ausladung des hohen Gastes gefordert haben, überrascht: Der Papst habe 1990, als er noch Kardinal Josef Ratzinger hieß und Chef der Glaubenskongregation war, den Prozess gegen Galileo Galilei als „gerecht“ und „vernünftig“ bezeichnet, was als wissenschaftsfeindliche Aussage zu verstehen sei.

Man braucht gar nicht nachzurecherchieren, ob diese Behauptung der Wahrheit entspricht. Denn bei der Frage nach dem Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft und wie beides miteinander in Einklang zu bringen sei, handelt es sich geradezu um das Lebensthema von Benedikt XVI. Anzunehmen, ausgerechnet dieser Mann, ein Wissenschaftler von Format, könne sich „wissenschaftsfeindlich“ geäußert haben, ist abwegig.

Interessanterweise verlautbarte nun der Vatikan, dass Ratzinger seinerzeit den Philosophen Paul Feyerabend zitiert habe, ohne sich dessen Meinung zu eigen geamacht zu machen. Das wird die 67 Professoren und die Studenten, auf die bei derartigen Gelegenheiten immer Verlass ist, sicherlich wenig kümmern. Für sie ist der Papst eben wissenschaftsfeindlich, ganz egal, was er sagt. Man fühlt sich an die Reaktionen auf die Regensburger Rede erinnert, bei der die Kritiker vor allem demonstrierten, dass sie nicht in der Lage sind, zwischen Indikativ und Konjunktiv zu unterscheiden.

Der Protest gegen den Auftritt des Papstes ist typisch: Auf unzutreffenden, verleumderischen Behauptungen wird eine Front aufgebaut, die in Wahrheit überhaupt nicht existiert. Weder die katholische Kirche im allgemeinen noch der Papst im besonderen verachten die Wissenschaft oder fordern die Unterwerfung der Wissenschaft unter die Religion. Es ist eher umgekehrt: Die Kritik errichtet einen Pappkameraden, der mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat, auf den sich aber um so besser einprügeln lässt.