Es ist sicher nicht zu spät, wenn ich heute auf die letzte Verleihung der Auszeichnung „Dodo des Monats“ (Dezember 2007) hinweise, die die „Brights Deutschland“ vorzunehmen pflegen.

Bei den „Brights“ handelt es sich um eine Gruppierung, die sich dem Anliegen verpflichtet fühlt, die naturalistische Weltanschauung zu verbreiten. Die Bewegung wird publizistisch gefördert von Daniel Dennett und Richard Dawkins, die mit dieser Bezeichnung die Benutzung des negativ besetzten Begriffs „Atheist“ vermeiden wollen. Der „Dodo“ ist nach einer ausgestorbenen Vogelart benannt und wird – nach Angaben der „Brights“ – verliehen für „Taten und Äußerungen, die sich gegen die kulturelle, soziale und politische Aufklärung wenden, zum Beispiel das Verleugnen der Evolutionstheorie (sic! – Anm. BK), diskriminierende Äußerungen gegen Ungläubige, etc.“

Und nun darf ich in der gebotenen Bescheidenheit, gleichwohl mit verhaltenem Stolz, den geneigten Leserinnen und Lesern mitteilen, dass ich, Benno Kirsch, der Inhaber dieses Internet-Tagebuchs, aktueller „Dodo“-Preisträger bin.

Ich gestehe, dass ich von dieser Ehrung einigermaßen überrascht wurde. Aber nachdem ich es ein wenig bedacht hatte, schien mir, als habe es wirklich nicht den Falschen getroffen. Denn ich habe mich letztes Jahr mehrfach publizistisch mit der Evolutionstheorie beschäftigt und in diesem Zusammenhang drei Rezensionen (hier, hier und hier) und einen Artikel veröffentlicht, in dem ich die schrillen Töne mancher Evolutionstheoretiker gegenüber abweichenden Meinungen thematisierte.

Alle Publikationen – insbesondere die letztgenannte, die von einer Nachrichtenagentur weiterverbreitet wurde – wurden von den Brights ganz offensichtlich richtig verstanden. Sie schäumten vor Wut. „Das ist ja wirklich Verdummung“, meinte einer. Ein anderer gab sich amüsiert: „Ich les nicht mehr weiter, sonst hole ich mir einen Lachanfall.“ Und ein anderer fand alles irgendwie „insuffizient“.

Besonders interessant finde ich aber, dass mir manche „Brights“ unbeabsichtigt großes Lob zollen. So meinte bei der Diskussion über die Frage, wer den Preis bekommen sollte, ein ganz heller Kopf: „Man müsste aber Kutschera vorher fragen, ob es in seinem Interesse sein kann, dass viele Menschen den besagten Beitrag von Kirsch lesen. Manche könnte möglicherweise dabei auf Gedanken kommen, die nicht von allen erwünscht sind.“ Merke: Es gibt erwünschte und unerwünschte Gedanken, und ich äußere, wie es scheint, die unerwünschten. Wenn das kein Kompliment ist!

Ob die „Brights“ allerdings wirklich so erleuchtet sind, wie sie selber glauben, das muss bezweifelt werden. Ihr Blog wird häufig mit Material bestückt, von dem man annehmen darf, dass eine Genehmigung zur Weiterverbreitung durch die Rechteinhaber nicht erteilt wurde. So war es jedenfalls, als sie sich auf meine Publikation über Anti-Kreationisten wie Kutschera stürzten. Sie hatten wohl zuvor das Internet nach meinem Namen durchforstet und waren auf einer Seite auf ein Bild gestoßen, mit dem sie flugs ihren Beitrag schmückten.

Gutmütig wie ich war, bat ich um Entfernung des Bildes, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Fotograf oder der Abgebildete seine Einwilligung gegeben hatten. Meiner Bitte wurde entsprochen, doch reagierten die „Brights“ ansonsten reichlich kindisch: Sie ersetzten das Bild durch eine Silhouette, legten den Schriftzug „zensiert“ darüber und mokierten sich im Blog über meine Intervention. Urheber- und Persönlichkeitsrechte scheinen ihnen nicht ganz so wichtig zu sein. Zumindest dann nicht, wenn nicht die eigenen, sondern die anderer Leute verletzt werden.

So weit, so unverschämt. Doch die Geschichte hat eine hübsche Pointe: Der, dessen Konterfei die „Brights“ in ihrem Weblog abgebildet hatten, war gar nicht ich. Bei ihren verzweifelten Recherchen waren unsere Helden zwar auf meinen Namen gestoßen, zeigten sich aber nicht in der Lage, ihm ein Gesicht zuzuordnen. Deshalb nahmen sie das nächstbeste, nämlich das eines Experten, der zwar wichtige Dinge zu sagen hatte, aber zu einem ganz anderen Thema als der Evolutionstheorie. Ich hatte mit ihm ein Interview geführt, und selbstverständlich hatte sich die Redaktion dafür entschieden, den Interviewpartner im Blatt abzubilden und nicht mich. Darauf hätten sogar die „Brights“ kommen können.