Es ist sicher nicht zu spät, wenn ich heute auf die letzte Verleihung der Auszeichnung „Dodo des Monats“ (Dezember 2007) hinweise, die die „Brights Deutschland“ vorzunehmen pflegen.
Bei den „Brights“ handelt es sich um eine Gruppierung, die sich dem Anliegen verpflichtet fühlt, die naturalistische Weltanschauung zu verbreiten. Die Bewegung wird publizistisch gefördert von Daniel Dennett und Richard Dawkins, die mit dieser Bezeichnung die Benutzung des negativ besetzten Begriffs „Atheist“ vermeiden wollen. Der „Dodo“ ist nach einer ausgestorbenen Vogelart benannt und wird – nach Angaben der „Brights“ – verliehen für „Taten und Äußerungen, die sich gegen die kulturelle, soziale und politische Aufklärung wenden, zum Beispiel das Verleugnen der Evolutionstheorie (sic! – Anm. BK), diskriminierende Äußerungen gegen Ungläubige, etc.“
Und nun darf ich in der gebotenen Bescheidenheit, gleichwohl mit verhaltenem Stolz, den geneigten Leserinnen und Lesern mitteilen, dass ich, Benno Kirsch, der Inhaber dieses Internet-Tagebuchs, aktueller „Dodo“-Preisträger bin.
Ich gestehe, dass ich von dieser Ehrung einigermaßen überrascht wurde. Aber nachdem ich es ein wenig bedacht hatte, schien mir, als habe es wirklich nicht den Falschen getroffen. Denn ich habe mich letztes Jahr mehrfach publizistisch mit der Evolutionstheorie beschäftigt und in diesem Zusammenhang drei Rezensionen (hier, hier und hier) und einen Artikel veröffentlicht, in dem ich die schrillen Töne mancher Evolutionstheoretiker gegenüber abweichenden Meinungen thematisierte.
Alle Publikationen – insbesondere die letztgenannte, die von einer Nachrichtenagentur weiterverbreitet wurde – wurden von den Brights ganz offensichtlich richtig verstanden. Sie schäumten vor Wut. „Das ist ja wirklich Verdummung“, meinte einer. Ein anderer gab sich amüsiert: „Ich les nicht mehr weiter, sonst hole ich mir einen Lachanfall.“ Und ein anderer fand alles irgendwie „insuffizient“.
Besonders interessant finde ich aber, dass mir manche „Brights“ unbeabsichtigt großes Lob zollen. So meinte bei der Diskussion über die Frage, wer den Preis bekommen sollte, ein ganz heller Kopf: „Man müsste aber Kutschera vorher fragen, ob es in seinem Interesse sein kann, dass viele Menschen den besagten Beitrag von Kirsch lesen. Manche könnte möglicherweise dabei auf Gedanken kommen, die nicht von allen erwünscht sind.“ Merke: Es gibt erwünschte und unerwünschte Gedanken, und ich äußere, wie es scheint, die unerwünschten. Wenn das kein Kompliment ist!
Ob die „Brights“ allerdings wirklich so erleuchtet sind, wie sie selber glauben, das muss bezweifelt werden. Ihr Blog wird häufig mit Material bestückt, von dem man annehmen darf, dass eine Genehmigung zur Weiterverbreitung durch die Rechteinhaber nicht erteilt wurde. So war es jedenfalls, als sie sich auf meine Publikation über Anti-Kreationisten wie Kutschera stürzten. Sie hatten wohl zuvor das Internet nach meinem Namen durchforstet und waren auf einer Seite auf ein Bild gestoßen, mit dem sie flugs ihren Beitrag schmückten.
Gutmütig wie ich war, bat ich um Entfernung des Bildes, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass der Fotograf oder der Abgebildete seine Einwilligung gegeben hatten. Meiner Bitte wurde entsprochen, doch reagierten die „Brights“ ansonsten reichlich kindisch: Sie ersetzten das Bild durch eine Silhouette, legten den Schriftzug „zensiert“ darüber und mokierten sich im Blog über meine Intervention. Urheber- und Persönlichkeitsrechte scheinen ihnen nicht ganz so wichtig zu sein. Zumindest dann nicht, wenn nicht die eigenen, sondern die anderer Leute verletzt werden.
So weit, so unverschämt. Doch die Geschichte hat eine hübsche Pointe: Der, dessen Konterfei die „Brights“ in ihrem Weblog abgebildet hatten, war gar nicht ich. Bei ihren verzweifelten Recherchen waren unsere Helden zwar auf meinen Namen gestoßen, zeigten sich aber nicht in der Lage, ihm ein Gesicht zuzuordnen. Deshalb nahmen sie das nächstbeste, nämlich das eines Experten, der zwar wichtige Dinge zu sagen hatte, aber zu einem ganz anderen Thema als der Evolutionstheorie. Ich hatte mit ihm ein Interview geführt, und selbstverständlich hatte sich die Redaktion dafür entschieden, den Interviewpartner im Blatt abzubilden und nicht mich. Darauf hätten sogar die „Brights“ kommen können.
18. Januar 2008 at 10:28
Danke, sehr erhellend! Und, selbstverständlich, gleichwohl nicht ganz ohne Neid: Herzlichen Glückwunsch!
Josef
18. Januar 2008 at 16:23
Hallo Herr Kirsch,
ein paar Richtigstellungen:
„die die „Brights Deutschland““
Lexikalisch sind das entweder „die Brights“ oder „die deutschen Brights“ oder „Brights Deutschland“.
Korrekterweise müssten Sie allerdings „einige deutsche Brights“ schreiben, denn „Bright“ ist zunächst einmal nur ein Synonym für „Naturalist“ und Sie können ja nicht einfach jeden Naturalisten der Welt für einen Dodo des Monats verantwortlich machen. Dieser Preis wird demokratisch gewählt von aktiven, deutschen Brights in geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit.
„wurden von den Brights ganz offensichtlich richtig verstanden“
Sie wurden von „einigen Kommentatoren des Brights-Blogs“ richtig verstanden, oder „vom Verfasser der Laudatio“. „Die Brights“ sind weltweit 35000 Naturalisten, die sich als Brights registriert haben und von denen logischerweise bei weitem nicht alle diese Laudatio überhaupt gelesen haben.
„Es gibt erwünschte und unerwünschte Gedanken, und ich äußere, wie es scheint, die unerwünschten.“
Dieses Kommentar wird gerne von Kreationisten aufgegriffen. Wie schon gesagt entscheiden wir (die Betreiber der Brights-Webseiten, Autoren und die aktivsten Teilnehmer) nicht darüber, wer auf unserem Blog kommentiert, Sie dürfen das auch – dann hätten Sie sich die Errichtung eines eigenen Blogs nur für diesen Zweck ersparen können. Auf unserem Blog kommentiert zum Beispiel auch jemand von Opus Dei. Nehmen wir an, Sie oder der Opus-Dei-Anhänger hätten dort ein Kommentar abgegeben, dann könnte es jemand mit Ihren Methoden auch als Kommentar eines Brights ausgeben, was es aber nicht wäre.
Überhaupt halte ich es für sehr problematisch, irgendwelche Kommentare in irgendwelchen Foren und Blogs von irgendwelchen Leuten als offizielle Position „der Brights“ auszugeben. Die gibt es natürlich auch, Sie finden Sie auf der Hauptseite:
http://www.the-brights.net/
Was das Kommentar selbst betrifft, so ist es aus dem Kontext gerissen und sehr zweifelhaft ausgelegt. Nur so viel: Wenn Sie irgendwelche ernsthaften, tatsächlichen Argumente oder Belege gegen die Evolution haben, dann veröffentlichen Sie Sie doch bitte in der Fachliteratur! Sie könnten sich mit der Widerlegung der Evolution sehr leicht einen Nobelpreis verdienen und das fände ich natürlich sehr begrüßenswert, so wie jeden wissenschaftlichen Fortschritt!
„Urheber- und Persönlichkeitsrechte“
Ich finde es schon seltsam, dass Sie nicht persönlich zu Ihrem eigenen Artikel stehen. Einen anderen Grund sehe ich nicht, warum Sie nirgends ein Foto von sich veröffentlichen oder veröffentlichen lassen. Es stellt aber niemand Ihr Recht in Frage, das selbst zu entscheiden.
Ich finde es außerdem sehr bedauerlich, dass Sie auf die eigentlichen Argumente in der Laudatio überhaupt nicht eingegangen sind und sich stattdessen über unwichtige Kleinigkeiten wie Rechtschreibfehler, Fotos und Kommentare von Lesern mockieren.
Mit besten Grüßen,
Andreas Müller
21. Januar 2008 at 22:36
Sehr geehrter Herr Kirsch,
erlauben Sie mir eine Bemerkung zur Kritik der Darwin’schen Evolutionstheorie. Diese Lehre gründet sich auf die materialistische Hypothese von der dynamischen Fähigkeit und Aktivität der Materie zu Selbstbewegung und Selbsetorganisation usw. (neuestens B. Kanitscheider, Die Materie und ihre Schatten, Naturalistische Wissenschaftsphilosophie; Aschaffenburg 2007, S. 69). Sie steht damit in einem elementaren Widerspruch zur Naturphilosophie
und Bewegungslehre Isaac Newtons, deren Grundprinzip die absolute Passivität der Materie ist, weshalb hier die beobachtbaren Phänomene der materiellen Veränderung ursächlich auf immaterielle geistige Prinzipien (dazu gehört auch der freie Wille der Lebewesen)´zurückgeführt werden. Da nun aber die Materialisten in der Wissenschaft überall dominieren, so unterbinden sie alle Hinweise auf den besagten Widerspruch, wo sie nur können. Kanitscheider (S. 66, 67) betont, dass Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften von vornherein abgelehnt werden, wenn sie sich mit Entitäten und Prozessen befassen, „die in einer materialistischen Weltbeschreibung nicht vorkommen können“.Deshalb findet eine Untersuchung der einfachen Fragestellung,
ob denn nun Newton recht hat oder die Materialisten, nicht statt. Eher vereinnahmen die Letzteren Newton für ihre Lehre und unterstellen ihm kurzerhand das Gegenteil dessen, was er nachweislich gelehrt hat. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Materialisten sich nicht für die Wahrheit interessieren, sondern nur für den nahen Sieg des Materialismus. Kanitscheider S. 9: „Auch wenn das Wort ‘Materialismus’ gerne vermieden wird, hat sich in allen Bereichen der Wissenschaft die Überzeugung durchgesetzt, dass die tragende Grundsubstanz aller Prozesse die Materie ist. Selbst in den umstrittenen Problembereichen wie der Welt der Quanten, des Lebens, der Seele, des Geistes und der Kultur macht niemand mehr Gebrauch von unstofflichen Größen, die keine Beziehung zur Natur der Materie besitzen.“
22. Januar 2008 at 8:51
Hallo Herr Müller,
„Lexikalisch sind das entweder “die Brights” oder “die deutschen Brights” oder “Brights Deutschland”.“
Wie war das mit „mockieren über unwichtige Kleinigkeiten“?
„“Es gibt erwünschte und unerwünschte Gedanken, und ich äußere, wie es scheint, die unerwünschten.”
Dieses Kommentar wird gerne von Kreationisten aufgegriffen.“
Eine Frage: Wird dadurch eine Aussage richtiger oder weniger richtig? Ziemlich nutzlos dieser Kommentar.
„Was das Kommentar selbst betrifft, so ist es aus dem Kontext gerissen und sehr zweifelhaft ausgelegt. Nur so viel: Wenn Sie irgendwelche ernsthaften, tatsächlichen Argumente oder Belege gegen die Evolution haben, dann veröffentlichen Sie Sie doch bitte in der Fachliteratur!“
Wahrscheinlich haben Sie den Kommentar am allerwenigsten verstanden: H. Kirsch beanstandet die Art und Weise wie manche Personen darauf reagieren, wenn die Synthetische Theorie in Frage gestellt wird.
Sie könnten sich mit der Widerlegung der Evolution sehr leicht einen Nobelpreis verdienen und das fände ich natürlich sehr begrüßenswert, so wie jeden wissenschaftlichen Fortschritt!“
“Urheber- und Persönlichkeitsrechte”
„Ich finde es schon seltsam, dass Sie nicht persönlich zu Ihrem eigenen Artikel stehen. Einen anderen Grund sehe ich nicht, warum Sie nirgends ein Foto von sich veröffentlichen oder veröffentlichen lassen.“
Nun, wenn es üblich wäre, dass jeder Autor mit Portraitfoto zu seinem Artikel abgelichtet werden würde, wäre Ihre Aussage bedingt nachvollziebar. Das ist nun definitiv nicht der Fall.
„Ich finde es außerdem sehr bedauerlich, dass Sie auf die eigentlichen Argumente in der Laudatio überhaupt nicht eingegangen sind …“
Auf sachliche Inhalte kann man eingehen, auf Inhaltloses weniger.
“ … und sich stattdessen über unwichtige Kleinigkeiten wie Rechtschreibfehler, Fotos und Kommentare von Lesern mockieren.“
Es ist m.E. nicht unwichtig, ob neben einem kritischen Artikel zu Evolutionsanhängern der Autor selbst, oder fälschlicherweise Thomas Junker abgebildet werden würde. Nunja, mit Verwechslungen kennen Sie sich aus – entschuldigen Sie, natürlich jemand der auf Ihrem Blog gepostet hat, wie konnte ich nur verallgemeinern – da kann schon mal R. Junker mit S. Scherer verwechselt werden, wenn bei einem Brights-Frontalangriff auf die freie Meinungsbildung H. Haase, der Universitätsleiter, offiziell angeschrieben wird.
Ihre Artikel enthalten oftmals nachweislich Fehlinformationen und diffamieren Einzelpersonen und Gruppierungen. Gäbe es einen „Dodo“ für „Gefährung der freienn Meinungsbildung“ und für „die schlechtesten Recherchen“, wären Sie – sorry, die „Brights Deutschland“ – nicht nur potentielle Anwärter.
Mit besten Grüßen,
Kritikerkritik
PS Weshalb ich namenlos bleibe, liegt daran, dass ich Ihre dreisten Aktivitäten kenne. Ja, so weit ist es schon gekommen.
22. Januar 2008 at 19:45
Hallo Kritikerkritiker,
das was Sie für eine unwichtige Kleinigkeit halten ist von absolut elementarer Bedeutung. Die Brights sind eben nun einmal KEINE herkömmliche, hierarchische oder fest strukturiere Organisation mit Vorständen, Schatzmeistern, Beiräten oder dergleichen. Das gibt es alles bei uns NICHT.
Es handelt sich um eine vollkommen freie und lose Verbindung von Gleichgesinnten. Verantwortlich ist jeder nur für sich selbst und das was er schreibt und ich werde es mir nicht im Ansatz gefallen lassen, dass man mich dafür verantwortlich macht, was jemand anderes tut oder sagt. Aus rechtlicher Sicht ist das ein Blog und ein Forum, ich bin für beides NICHT verantwortlich, weil ich weder Admin noch Betreiber bin. Ich bin nur ein Kommentator und schreibe mal einen Brief oder dergleichen.
Und in der Tat finde ich es absolut daneben, dass Sie mir diese Dinge in die Schuhe schieben. Ich habe Herrn Scherer keineswegs mit Herrn Junker verwechselt und wenn Sie sich einmal die Mühe machen würden, meine eigene Mail an Herrn Haase zu lesen (und nicht die von jemand vollkommen anderen!), dann würde Ihnen vielleicht auffallen, dass gerade in dieser Mail NICHT die Absage der Veranstaltung gefordert wird, sondern das gleiche Recht auch für säkulare Organisationen. Sie können diese Aktion mit einer Petition vergleichen. Jeder hat ganz eigene Gründe, diese Petition zu unterstützen, sie nur zum Teil oder eben gar nicht zu unterstützen.
Ich könnte mit der gleichen Logik einfach Sie oder Herrn Scherer oder sonstwen für alles, was irgendwo auf der Welt irgendein Kreationist sagt verantwortlich machen.
„Nun, wenn es üblich wäre, dass jeder Autor mit Portraitfoto zu seinem Artikel abgelichtet werden würde, wäre Ihre Aussage bedingt nachvollziebar. Das ist nun definitiv nicht der Fall.“
Es ist Herrn Kirsch aber keineswegs gleichgültig, ob er auf einem Foto neben seinen Artikeln erscheint, üblich oder nicht, sondern er ist ausdrücklich dagegen, so wie ich das verstehe.
„Auf sachliche Inhalte kann man eingehen, auf Inhaltloses weniger.“
Eben. Trotzdem ist man hier umgekehrt vorgegangen.
Mit besten Grüßen,
Andreas Müller
23. Januar 2008 at 10:25
„Es ist Herrn Kirsch aber keineswegs gleichgültig, ob er auf einem Foto neben seinen Artikeln erscheint, üblich oder nicht, sondern er ist ausdrücklich dagegen, so wie ich das verstehe.“
So wie ICH das verstehe, ist Herr Kirsch ausdrücklich dagegen, dass ein Foto, das irgendjemanden zeigt, nur nicht Herrn Kirsch, in Zusammenhang mit Herrn Kirsch gebracht wird, sei es im Zusammenhang mit seinen Artikeln oder mit wie auch immer gestalteten Kommentaren zu seinen Artikeln. Und DAS kann ich sehr gut verstehen. Das liegt im übrigen auch im Interesse dessen, den das Foto zeigt.
Josef Bordat
23. Januar 2008 at 11:25
Hallo H. Müller,
„Die Brights sind eben nun einmal KEINE herkömmliche, hierarchische oder fest strukturiere Organisation mit Vorständen, Schatzmeistern, Beiräten oder dergleichen. Das gibt es alles bei uns NICHT. Es handelt sich um eine vollkommen freie und lose Verbindung von Gleichgesinnten.“
Ein loser Haufen, sozusagen? :-) Sorry, das war zu polemisch.
„Verantwortlich ist jeder nur für sich selbst und das was er schreibt und ich werde es mir nicht im Ansatz gefallen lassen, dass man mich dafür verantwortlich macht, was jemand anderes tut oder sagt.“
Sind Sie nicht der Pressesprecher von Brights Deutschland, HPD-Redakteur und
Fördermitglied der Giordano Bruno Stiftungder Vorstand? Das alles ohne Verantwortung?
„Und in der Tat finde ich es absolut daneben, dass Sie mir diese Dinge in die Schuhe schieben. Ich habe Herrn Scherer keineswegs mit Herrn Junker verwechselt und wenn Sie sich einmal die Mühe machen würden, meine eigene Mail an Herrn Haase zu lesen…“
Ich weiß sehr wohl dass der Brief von Christian Pfeil war. Zum anderen habe ich es nicht persönlich auf Sie gemünzt, sondern auf die Brights Deutschland – gehört Pfeil nicht zu diesem Konglomerat?
„Sie können diese Aktion mit einer Petition vergleichen. Jeder hat ganz eigene Gründe, diese Petition zu unterstützen, sie nur zum Teil oder eben gar nicht zu unterstützen.“
Sehr euphemistisch, nicht wahr?
„Ich könnte mit der gleichen Logik einfach Sie oder Herrn Scherer oder sonstwen für alles, was irgendwo auf der Welt irgendein Kreationist sagt verantwortlich machen.“
Bestechend – betreiben Sie Telekinese? Woher wollen Sie wissen, dass ich ein Kreationist bin? Oder wird jeder, der sich kritisch zur Synthetischen Theorie oder zum Naturalismus äußert automatisch zu einem Kreationisten? Ein Beißreflex der Spezies Brights, der mittels Mikroevolution über die kurze Zeit seit dem Jahr 1858 in deren Genen Einzug fand?
Ein Brights Pressesprecher kann nicht für Aussagen aller Brights verantwortlich gemacht werden – OK. Ich kann – wäre ich ein Kreationist – nicht für alle Aussagen von Kreationisten verantwortlich gemacht werden – trivial.
Sie kennen jedoch Ihren eigenen Satz: „Nicht mit uns, dachte sich ein Task Team der Brights und schickte Protestbriefe und -mails an den Uni-Präsidenten Prof. Axel Haase.“ aus dem http://hpd-online.de/node/1969
Sie können sich nicht aus der Verantwortung winden, diesen Angriff auf die freie Meinungsbildung tatkräftig mit unterstützt zu haben.
Um nochmal auf den Kern zurückzukommen: Wahrscheinlich haben Sie den Kommentar Herrn Kirschs am allerwenigsten verstanden: Er beanstandet die Art und Weise wie manche Personen darauf reagieren, wenn die Synthetische Theorie in Frage gestellt wird.
Auch Sie sind dafür ein beredtes Beispiel.
Mit besten Grüßen,
Kritikerkritik
23. Januar 2008 at 14:41
Hallo nochmal,
„Sind Sie nicht der Pressesprecher von Brights Deutschland, HPD-Redakteur und
Fördermitglied der Giordano Bruno Stiftungder Vorstand?“
Ein Pressesprecher ist kein Vorstand, oder? Außerdem habe ich diese ehrenamtliche Tätigkeit schon vor einer Weile aufgegeben. Ich bin HPD-Redakteur, ja. Aber was hat das mit den Brights zu tun? Fördermitglied der GBS bin ich auch, so wie rund 1000 andere Leute.
„gehört Pfeil nicht zu diesem Konglomerat?“
Spontan weiß ich nicht einmal, wer Christian Pfeil überhaupt ist. Und ich sehe auch nicht, warum ich das wissen müsste. Warum soll ich mir jeden merken, der eine Petition unterstützt, die ich zufällig auch unterstütze?
„Oder wird jeder, der sich kritisch zur Synthetischen Theorie oder zum Naturalismus äußert automatisch zu einem Kreationisten?“
Ein Nicht-Naturalist glaubt logischerweise an die Existenz übernatürlicher Wesenheiten. Und welches übernatürliche Wesen spielt wohl eine Rolle, wenn es um das Thema Schöpfung geht?
“Nicht mit uns, dachte sich ein Task Team der Brights und schickte Protestbriefe und -mails an den Uni-Präsidenten Prof. Axel Haase.”
Ja, so ist es ja auch! Wenn Sie sich jetzt noch die Mühe gemacht hätten, sich beim Brights’ Net mal die Definition eines „Task Teams“ anzusehen, wären wir schon einen Schritt weiter. So wie ich die Sache sehe, tue ich hier genau das, was Journalisten eben tun: Ich berichte. Und natürlich habe ich die Aktion unterstützt, das wissen Sie doch aufgrund meiner Mail!
„Er beanstandet die Art und Weise wie manche Personen darauf reagieren, wenn die Synthetische Theorie in Frage gestellt wird.“
Und reagiert dabei selbst auf eine sehr fragwürdige Weise, oder wie soll ich seine Äußerungen über Evolutionstheoretiker sonst verstehen?
23. Januar 2008 at 17:45
Kritikerkritik: “Oder wird jeder, der sich kritisch zur Synthetischen Theorie oder zum Naturalismus äußert automatisch zu einem Kreationisten?”
Darauf derautor: „Ein Nicht-Naturalist glaubt logischerweise an die Existenz übernatürlicher Wesenheiten. Und welches übernatürliche Wesen spielt wohl eine Rolle, wenn es um das Thema Schöpfung geht?“
Jede Vorstellung, wo Gott als Schöpfer eine Rolle spielt, ist demnach „Kreationismus“, richtig? Gut, das kann man so sehen, dann hätten wir aber eine Menge „Kreationisten“. Die katholische Kirche würde nach dieser Definition eine „kreationistische“ Position vertreten. Vorsicht ist im Diskurs geboten, weil einige Menschen nur eine ganz bestimmte Form des Schöpfungsglaubens als „Kreationismus“ bezeichnen, nämlich den Glauben daran, in der Genesis-Erzählung ein wortwörtlich (!) wahres Protokoll aus dem Labor Gottes vorzufinden.
Die Reichweite des Begriffs müsste also geklärt werden.
Josef Bordat
24. Januar 2008 at 10:31
Hallo zusammen,
@ derautor
„“Oder wird jeder, der sich kritisch zur
Synthetischen Theorie oder zum Naturalismus äußert automatisch zu einem Kreationisten?”
Ein Nicht-Naturalist glaubt logischerweise an die Existenz übernatürlicher Wesenheiten. Und welches übernatürliche Wesen spielt wohl eine Rolle, wenn es um das Thema Schöpfung geht?“
Genau mit dieser Antwort zeigen Sie Ihre Indifferenziertheit, Schwarz-Weiß-Malerei in Perfektion. Das wäre genauso falsch, wie wenn ich sagen würde: alle Chinesen essen mit Stäbchen – wer nicht mit Stäbchen ißt, muss ein Amerikaner sein.
Offenbar verstehen Sie die Position die Sie kritisieren nur unzureichend.
@ Bordat
„… weil einige Menschen nur eine ganz bestimmte Form des Schöpfungsglaubens als „Kreationismus“ bezeichnen, nämlich den Glauben daran, in der Genesis-Erzählung ein wortwörtlich (!) wahres Protokoll aus dem Labor Gottes vorzufinden.“
Das ist so auch nicht korrekt. Die Genesis wird als historisch relevanter Bericht angesehen, der verschienenartig interpretiert wird. Während vorwiegend im amerikanischen Kreationismus die eigene Auslegung der Genesis als unumstößlich gilt, stellen viele deutsche Vertreter der Schöpfungslehre ihre Auslegung auch der Kritik. Siegfried Scherer schreibt bspw.: „Ich kann es aus verschiedenen Gründen nicht nachvollziehen, wenn die Urgeschichte der Heiligen Schrift im Kreationismus sozusagen als naturkundlicher Text gelesen wird.“ http://www.siegfriedscherer.de/content/kritische_thesen.html#Kritik
Auf der W+W HP ist zu lesen, dass „im Unterschied zum Kreationismus wir auf einen Absolutheitsanspruch im Problemkreis der Wissenschaft verzichten. In Fragen der Auslegung biblischer Texte meinen wir, eine dem Selbstanspruch der Urgeschichtstexte im Wesentlichen gemäße Position zu vertreten. Darin und in Fragen des Verhältnisses von Aussagen der Heiligen Schrift zu wissenschaftlichen Erkenntnissen sind wir aber diskussions- und lernbereit.“ http://www.wort-und-wissen.de/presse/main.php?n=Presse.P05-1
Für jene, die gerne mit platten Ausdrücken gegen ihre Kontrahenten arbeiten, ist der Begriff „Kreationismus“ ein Schmankerl, weil er mit den Attributen „fundamentalistisch“, „gewaltbereit“ und „borniert“ im Allgeemeinen besetzt ist. Manch einer benutzt den Ausdruck „Kreationismus“ aufgrund mangelnden Wissens – soll man ihm sein Unwissen verzeihen? Hmmh, wenn er es in die Weite Welt hinausposaunt, eher nicht.
„Die Reichweite des Begriffs müsste also geklärt werden.“
Das stimmt allerdings.
MfG
Kai-Uwe Kolrep
24. Januar 2008 at 11:28
Der Glaube an eine Gottheit zeugt doch stets von einer antinaturalistischen Haltung.
Da ist es völlig egal, was die Person behauptet, ob Gottesexistenz oder Schöpfung, Dämonenglaube, Engelsglaube, Jenseitsglaube, Kobolde, Zwerge oder Feen, E.T.:
In der Methodik, also der Beliebigkeit und Willkürlichkeit der Annahme als „wahr“, besteht keinerlei Unterschied.
24. Januar 2008 at 16:24
@ Rudi (et al.)
- Zitat: Der Glaube an eine Gottheit zeugt doch stets von einer antinaturalistischen Haltung.
Richtig, weil Gott, für den, der an Ihn glaubt, nicht Teil der „Natur“ (im naturalistischen Sinne) ist.
- Zitat: Da ist es völlig egal, was die Person behauptet, ob Gottesexistenz oder Schöpfung, Dämonenglaube, Engelsglaube, Jenseitsglaube, Kobolde, Zwerge oder Feen, E.T.:
In der Methodik, also der Beliebigkeit und Willkürlichkeit der Annahme als „wahr“, besteht keinerlei Unterschied.
Das stimmt nur, wenn man die Grenze so ziehen will, dass zwischen „Wissen“ (das, was der naturalistische Wissenschaftler tut) und „Glauben“ (das, was der Rest tut) unterschieden wird, ohne auf die Inhalte und Begründungen des Glaubens einzugehen, weil er prima facie als „unsinnig“ hingestellt wird, egal worauf er sich richtet. Das unterschlägt aber die Historizität von Religion, die Bedeutung der Offenbarung Gottes in Propheten, heiligen Schriften und Menschen (Jesus, den Christen für den Sohn Gottes halten, ist da nur ein, wenn auch exponiertes Beispiel, auch in anderen Heiligen offenbart sich Gott) sowie den Umstand, dass bestimmte Vorstellungen von Transzendenzentitäten offenbar attraktiver als andere sind (ich kenne persönlich mehr Menschen, die an die Existenz Gottes glauben als an die Existenz von Kobolden).
Es stimmt also nur, wenn man nur die Methode und dann nur die naturwissenschaftlich-empirische Methode und Kriterien wie intersubjektive Gültigkeit, Wiederholbarkeit, mathematische Beschreibbarkeit als alleinige Kriterien dafür heranzieht, was „wahr“ oder „falsch“ genannt werden darf, also die wissenschaftlichen Deutungsmuster verabsolutiert. Und die Berechtigung, dies zu tun, darf bezweifelt werden. Nicht nur, weil, wie oben ja schon geklärt, Gott sich nicht dem Naturforscher zu erkennen gibt, zumindest nicht aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit.
Vielmehr: Ein solches Vorgehen ist zirkulär und selbstwidersprüchlich. Warum? Ich will versuchen, es kurz zu erklären.
1.) Der Naturalismus bedient sich eines Methodenmonopolismus’, der den Unterschied von Erklären und Verstehen (Dilthey) ebenso aufhebt wie jeden Respekt vor „nur“ nicht-naturwissenschaftlich haltbarer Erkenntnis über den Menschen und die Welt, also religiöser Wahrheit. Warum sind denn religiöse Aussagen in den Augen eines Naturalisten „unsinnig“? Weil sie im Diskurs nicht intersubjektiv vermittelbar sind. Warum sind sie dies nicht?
Weil sie nicht empirisch, also mit den naturwissenschaftlichen Methoden, veri- bzw. falsifizierbar sind. Damit werden sie aber offensichtlich nur dann „bedeutungslos“ oder „inhaltsleer“, wenn man „Bedeutung“ auf Aussagen eingrenzt, die veri- bzw. falsifizierbar sind. Dazu muss aber eine bestimmte Methode der Veri- bzw. Falsifizierbar zur Anwendung kommen: eben gerade jene, die dieses Bedeutungs- und Wahrheitskriterium aufweist: Die naturwissenschaftliche!
Die naturwissenschaftliche Methode wird so zum Filter für Sinn und Unsinn. Und wenn sie der einzige Filter sein soll, erhebt man sie zum Monopol. Damit liegt sie dem Diskurs im Rücken. Dies ist offenbar die methodologische Idee des Naturalismus. Und das kritisiere ich als Zirkel. Dann kann ich nämlich reden, soviel ich will, mir wird nicht zugehört, weil meine Aussagen, die u.U. auf Erfahrungen basieren, den Filter nicht passieren können. Sich dann zu wundern, dass religiöse Aussagen auf der Strecke bleiben und im Diskurs letztlich nur naturalistisches Gedankengut ankommt, ist mit Blick auf den Eingangsfilter zirkulär.
Wahrheit über Kommunikation zu bestimmen („Behauptungen“), dann aber bestimmte Positionen methodisch von der Kommunikation auszuschließen, beschränkt den Wahrheitsbegriff unzulässig und hilft bei der Suche nach Wahrheit nicht weiter. Zur Wahrheit führt nur ein Dialog, der keine Form menschlicher Selbstvergewisserung und Daseinsorientierung a priori ausschließt.
2.) Richtig selbstwidersprüchlich wird es aber dadurch, dass der Naturalist bei Diskursbeginn in etwa sagt: „Du sollst so argumentieren, dass Du nur Aussagen benutzt, die mit der naturalistischen Methode beweisbar sind.“. Dies ist aber als Normation gerade keine Aussage, die mit der naturalistischen Methode, sprich: empirisch, beweisbar wäre. Nur deskriptive Aussagen sind empirisch nachweisbar, normative Aussagen enthalten Wertungen, die nicht Teil der Wirklichkeit sind. Also steht am Anfang – gewissermaßen bei der Errichtung des Filters – eine Aussage, die selbst den Filter nicht passieren könnte. Das nenne ich Widerspruch. Und für Sie/die Brights/die Brights Deutschlands/die Naturalisten ist das ein echtes Problem, oder?
Ihr
Josef Bordat
25. Januar 2008 at 14:16
Die Brights erheben den Anspruch, dass ihr Naturalismus gleichbedeutend mit der Naturwissenschaft selbst ist. Sie definieren Naturwissenschaft über die naturwissenschaftliche Methode, die durch Messung und Experiment wissenschaftliche Daten sammelt und Beobachtungen macht und daraus dann mittels Verallgemeinerungsschluss wissenschaftliche Erkenntnis gewinnt. Dieses Wissen zeichnet sich gegenüber Glauben und Meinung dadurch aus, dass die Form, in der es gewonnen wurde, hinreichende Gründe oder Beweise dafür liefert, die ihr Fürwahrhalten rechtfertigen. Die Brights sind der Ansicht, dass sich ihr gesamtes naturalistisches Weltbild auf Erkenntnis zurückführen lässt, die so gewonnen wurde. Die naturwissenschaftliche Methode ist nach eigenem Maßstab die hierfür jeweils am besten geeignete Methode, d.h. sie lässt sich auch auf sich selbst anwenden: Da man nachmessen, beobachten und somit beweisen kann, dass die naturwissenschaftliche Forschung die erfolgreichste Methode zur Wissensgewinnung ist, lässt sich durch Verallgemeinerung der Schluss rechtfertigen, dass sie auch in Zukunft die beste Methode sein wird. Sollte jemand analog beweisen können, dass es eine andere Methode gibt, die erfolgreicher ist, lässt sich die Methode austauschen. Durch ständig verbesserte Mess- und Beobachtungsmethoden geschieht das sogar tatsächlich. So ist es z.B. durch bildgebende Verfahren möglich geworden, in der Hirnforschung Denkvorgänge direkt zu beobachten und dadurch echte wissenschaftliche Erkenntnis zu gewinnen. Dadurch konnten mystisch-religiöse bzw. metaphysische Vorstellungen wie Bewusstsein oder freier Willen durch naturalistische und naturwissenschaftliche Hypothesen ersetzen werden.
Alles andere ist eben unerheblich.
26. Januar 2008 at 2:04
„Die Brights erheben den Anspruch, dass ihr Naturalismus gleichbedeutend mit der Naturwissenschaft selbst ist.“
Ansprüche erheben ist völlig legitim.
„Sie definieren Naturwissenschaft über die naturwissenschaftliche Methode, die durch Messung und Experiment wissenschaftliche Daten sammelt und Beobachtungen macht und daraus dann mittels Verallgemeinerungsschluss wissenschaftliche Erkenntnis gewinnt.“
Das ist ja auch richtig und gut so – solange es die Naturwissenschaft betrifft. Das Problem ist dann: Wenn alles Natur sein soll, bleibt nur die Naturwissenschaft als Deutungsmuster übrig (wo kein Geist, da keine Geisteswissenschaft), und das ist es, was ich bezweifle.
„Dieses Wissen zeichnet sich gegenüber Glauben und Meinung dadurch aus, dass die Form, in der es gewonnen wurde, hinreichende Gründe oder Beweise dafür liefert, die ihr Fürwahrhalten rechtfertigen.“
Das Fürwahrhalten von Aussagen muss also immer naturwissenschaftlich gerechtfertigt sein. Sei A die Aussage „Es ist nicht gut, Norweger zu töten.“ Ist A naturwissenschaftlich beweis- oder begründbar? Ist A wahr? Warum? Warum wäre nonA falsch? Woran ist das erkenn-, also messbar? Durchschnitts-Pulsfrequenz der norwegischen Königsfamilie? Lautstärke der Protestrufe in Oslo?
„Die Brights sind der Ansicht, dass sich ihr gesamtes naturalistisches Weltbild auf Erkenntnis zurückführen lässt, die so gewonnen wurde.“
Dieser Ansicht zu sein, ist das gute Recht eines jeden „Brights“, nur ich halte diese, mit Verlaub, nicht für besonders „bright“.
„Die naturwissenschaftliche Methode ist nach eigenem Maßstab die hierfür jeweils am besten geeignete Methode, d.h. sie lässt sich auch auf sich selbst anwenden: Da man nachmessen, beobachten und somit beweisen kann, dass die naturwissenschaftliche Forschung die erfolgreichste Methode zur Wissensgewinnung ist,“
Für die Naturwissenschaft ja, aber für die Geisteswissenschaft? Gilt Diltheys wissenschaftstheoretischer Ansatz in den Geisteswissenschaft (die so genannte Hermeneutik) nicht mehr? Oder sind am Ende die Geisteswissenschaften gar keine Produzenten von dem, was Sie „Wissen“ nennen würden.
„lässt sich durch Verallgemeinerung der Schluss rechtfertigen, dass sie auch in Zukunft die beste Methode sein wird.“
Für jede sich dem Menschen stellende Frage, jeden Sachverhalt, einfach alles? Bei byzantischen Trauergedichten, Reichstagsreden von Zentrums-Abgeordneten, thomistischen Gottesbeweisen, kanonischen Schriften, im Strafrecht, im Fußball: immer nur messen, zählen, erklären? Und nie verstehen?
„Sollte jemand analog beweisen können, dass es eine andere Methode gibt, die erfolgreicher ist, lässt sich die Methode austauschen.“
Mit welcher Methode sollte er denn diesen Beweis leisten, wenn Sie nur eine Methode anerkennen? Dann scheidet die „andere Methode“ doch prima facie aus.
„Durch ständig verbesserte Mess- und Beobachtungsmethoden geschieht das sogar tatsächlich. So ist es z.B. durch bildgebende Verfahren möglich geworden, in der Hirnforschung Denkvorgänge direkt zu beobachten“
„Denkvorgänge direkt zu beobachten“ – das ist ein (weit verbreiteter) Irrtum, der häufig in der Formulierung auftritt, wir könnten „dem Gehirn beim Denken zusehen“. Grundlage für den Umstand, dass es überhaupt was zu sehen, also ein Bild gibt, auf denen Hirnregionen farblich hervorteten, ist die Messung und Darstellung der Sauerstoffanreicherung im Gehirn, die mit 5 bis 7 Sekunden Zeitverzögerung nach dem Denkvorgang eintritt. Nur die Sauerstoffanreicherung wird also gemessen, nicht der „Denkvorgang“, der Gedanke. Ob zwischen physiologischer Hirntätigkeit (die gemessen und aufgezeichnet wird) und den Gedanken ein kausaler, ein korrelativer oder gar kein Zusammenhang besteht, ist in der Philosophie des Geistes, insbesondere hinsichtlich der phänomenalen Bewusstseinszustände (Qualia) hochumstritten und kontrovers diskutiert. Dazu gibt es IKEA-Regale an Literatur. Alles Quatsch?
„und dadurch echte wissenschaftliche Erkenntnis zu gewinnen. Dadurch konnten mystisch-religiöse bzw. metaphysische Vorstellungen wie Bewusstsein oder freier Willen durch naturalistische und naturwissenschaftliche Hypothesen ersetzen werden.“
Holla, die Waldfee! Jetzt gehen Sie aber in einem Streich über ganze Ozeane an Einwänden hinweg, als ob es die gesamte Philosophie des Geistes nicht gäbe! Und die Metaphysik auch nicht. Und die Mystik nicht. Die Religion nicht. Bewusstsein nicht. Willen nicht. – Nur Natur! Sagen Sie – ich hab mir heute mein Flugticket zum XXII. Philosophieweltkongress in Seoul gekauft, wo die anthropologischen Fragen um Bewusstsein und Willen aus genau diesen, scheinbar obsoleten Perspektiven diskutiert werden. Soll ich die Reise stornieren? Ich meine, das hat sich doch jetzt nach Ihren Ausführungen alles erledigt, oder? Was sollen wir da noch quatschen?!
Nein: Die naturwissenschaftlichen Hypothesen ergänzen die Sicht auf den Menschen allenfalls durch eine spezifische Perspektive, die eine bestimmte Erklärungsreichweite im begrenzten Aussagerahmen der Naturwissenschaft hat (und innerhalb dessen auch ihre Berechtigung und ihren Wert hat), sie ersetzen aber dadurch nicht alles, was es sonst noch gibt, insbesondere nicht die philosophische und religiöse Anthropologie!
„Alles andere ist eben unerheblich.“
Aha. Also: Stornieren!
Es bedankt sich für die eindeutige und unumstößliche Klärung vieler seiner Forschungs- und Lebensfragen: Josef Bordat
26. Januar 2008 at 10:34
Ich möchte einen Absatz meines Kommentars korrigieren – dort sind mir einige Ungenauigkeiten hineingeraten. Hier die präzisierte Darstellung mit Hinweisen auf einige meiner Texte, die sich des Themas annehmen:
„Denkvorgänge direkt zu beobachten“ – das ist ein (weit verbreiteter) Irrtum, der häufig in der Formulierung auftritt, wir könnten „dem Gehirn beim Denken zusehen“. Grundlage für den Umstand, dass es überhaupt was zu sehen, also ein Bild gibt, auf denen Hirnregionen farblich hervorteten, ist die Darstellung der Sauerstoffanreicherung im Gehirn, die mit 5 bis 7 Sekunden Zeitverzögerung nach dem Denkvorgang eintritt. Nur die Sauerstoffanreicherung wird also beobachtet, nicht der „Denkvorgang“, der Gedanke. Ob zwischen physiologischer Hirntätigkeit (die aufgezeichnet und beobachtet wird) und den Gedanken ein kausaler, ein korrelativer oder gar kein Zusammenhang besteht, ist in der Philosophie des Geistes, insbesondere hinsichtlich der phänomenalen Bewusstseinszustände (Qualia) hochumstritten und wird kontrovers diskutiert. Dazu gibt es IKEA-Regale an Literatur. Alles Quatsch?
Literaturhinweise:
Gehirn, Geist, Seele. Zu den Grenzen naturwissenschaftlicher Forschung. In: Literaturkritik.de. Jg. 9 (2007), Nr. 8 (Schwerpunkt „Natur und Kultur II“).
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10945&ausgabe=200708
[Rezension] Das naturalistische Missverständnis und das unerschütterliche Wesen des Menschen. Michael Pauens Analyse nimmt die Angst vor einer Neuro-Erosion von Selbstbild und Würde. (Rezension zu Michael Pauen: Was ist der Mensch? Der Streit um die Hirnforschung und ihre Konsequenzen). In: Literaturkritik.de. Jg. 9 (2007), Nr. 6.
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10794&ausgabe=200706
[Rezension] Viel Neuro, wenig Kritik. Carsten Könnekers Sammlung von „Gehirn und Geist“-Beiträgen bestärkt durch Auslassungen den Eindruck eines Paradigmenwechsels in der Anthropologie. (Rezension zu Carsten Könneker (Hg.): Wer erklärt den Menschen? Hirnforscher, Psychologen und Philosophen im Dialog). In: Literaturkritik.de. Jg. 9 (2007), Nr. 2.
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=10436&ausgabe=200702
J.B.
29. Januar 2008 at 14:01
Lieber Herr Bordat,
sie bringen da leider einiges durcheinander: Erkenntnistheorie hat mit den Wertungen des Menschen erst mal gar nichts zu tun.
Nähere Ausfürhungen finden sich auch auf
http://www.brights-hamburg.de
29. Januar 2008 at 18:53
Ich bleibe mal bei Ihrer These, lieber Rudi, die spannend genug ist, dass sie diskutiert werden sollte, obwohl ich nicht unmittelbar sehe, wo genau ich „etwas durcheinander bringe“ bzw. inwieweit die Frage von Wertungen bei der Erkenntnis derart etwas mit dem von mir zuvor gesagten zu tun haben soll, dass es meiner Argumentation zuwiderliefe. Aber, wie gesagt: Das Thema ist auch so wichtig genug.
Also: „Erkenntnistheorie hat mit den Wertungen des Menschen erst mal gar nichts zu tun.“
Schön wär’s! Leider liegen jeder Theorie, auch jeder Erkenntnistheorie, Entscheidungen im Rücken, die Grundannahmen, Prämissen, manchmal auch Axiome genannt werden. Es ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, dass diese Entscheidungen wertend sind, doch leider sind sie es. Jede bewusste Entscheidung, die nicht nur ein Reflex ist, enthält nämlich implizit eine Wertung. Das kann ein Geschmacksurteil sein, eine moralische Wertung, eine politische Präferenz, eine weltanschauliche Haltung oder sonst etwas.
Man entscheidet sich für Partei A, Bier A, Urlaubsziel A oder eben Erkenntnistheorie A, weil man der Ansicht ist, diese Optionen seien BESSER als die Konkurrenz, also Partei B, Bier B, Urlaubsziel B oder Erkenntnistheorie B. Im dann folgenden Diskurs werden wir freilich Gründe dafür nennen müssen, aber die Entscheidung ist getroffen.
Sie, lieber Rudi, haben sich offenbar dazu entschlossen, den Naturalismus als einzige erkenntnistheoretische Methode anwenden zu wollen. Diese Entscheidung lässt sich in eine Wertung überführen: Sie meinen, dass es BESSER ist, die Welt ausschließlich naturalistisch zu beschreiben. Deswegen sind Sie aktiv und diskutieren mit Leuten, die anderer Meinung sind, so wie ich.
Einwand: « Dann würden sich ja Präferenzen nie ändern, das tun sie aber! »
Richtig, denn man kann sich überzeugen lassen, dass Partei B vielleicht doch die BESSEREN Konzepte hat, doch dann haben sich bereits die Wertmaßstäbe geändert. Unter der Voraussetzung gleicher Wertmaßstäbe wird es keinen Wechsel geben! Auch der Entscheidung für den Wechsel liegen Wertungen zugrunde. Sie, Rudi, werden erst dann dem Naturalismus den Rücken kehren, wenn sie ihn nicht mehr für BESSER halten als Alternativkonzepte. Selbstverständlich halten Sie Ihre Theorie der Erkenntnis für BESSER, sonst würden Sie Ihr ja nicht anhängen. Sie sind sich sicher, dass Sie die BESSEREN Argumente haben und ich eigentlich nur zu dumm oder zu bösartig bin, wenn ich diesen nicht folge. Nur: Warum sind Sie sich sicher? Weil sie mit Ihrer erkenntnistheoretischen Methode zu diesem Ergebnis kommen! Aber genau diese ist ja in unserer Diskussion umstritten. Wir drehen uns im Kreis!
Einwand: « Jetzt verwechseln Sie aber doch ethische und epistemische Wahrheit bzw. Güte, also „moralisch gut“ und „sachlich richtig“, denn schließlich meine ich, dass der Naturalismus als Methode nicht nur gut, sondern auch richtig ist, er also auch gelten würde, wenn es mir nicht gefiele! »
Das setzte, für unser Beispiel (Erkenntnistheorie), voraus, dass es so etwas wie „sachlich richtig“ gibt, und zwar derart, dass es außerhalb dieser Theorie erkennbar „richtig“ ist, sozusagen mit einer Meta-Theorie der Erkenntnis verifiziert, die uns, als Menschen, aber nicht zugänglich ist. Wir müssen uns damit begnügen, was wir begreifen können. Wir können über die Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis nachdenken und über Formen der Welterfahrung streiten, aber diesen Streit nicht klären, denn sonst gäbe es ihn ja nicht und alle Menschen dächten wie Sie oder ich, was, soweit ich das überschauen kann, für uns beide wohl nicht der Fall ist.
Herzliche Grüße,
Ihr
Josef Bordat
Nachbemerkungen: Ich will Ihnen mit meinen beiden Einwänden nicht das Wort nehmen, nur sind das typische Einwände, die ich gleich mal mitbehandeln wollte.
7. Februar 2008 at 12:19
[...] für interessant genug, hier noch einmal meine Position zu skizzieren, auch wenn ich dazu schon an anderer Stelle Ausführungen gemacht [...]