Normalerweise verströmt die Achse des Guten ja die Aura des Unangepassten. Doch dann und wann schmeißt man sich, wie dieser Tage, dem Zeitgeist in die Arme und veröffentlicht Texte von Beda Stadler. Stadler ist Professor für Immunologie an der Universität Bern, der entschieden und öffentlichkeitswirksam gegen alternative Heilmethoden und alles andere kämpft, das ihm nicht „wissenschaftlich“ begründet vorkommt.

In seiner neuen Kolumne beschäftigt sich Stadler mit der Art, wie Naturwissenschaftler an den Universitäten sozialisiert werden und wie sie ihre Kenntnisse in die Öffentlichkeit verbreiten: nämlich meistens gar nicht. Sie hätten zwar verstanden, um was es bei Evolution gehe, aber sie wagten es nicht, sich in einer Weise zu äußern, dass Nicht-Wissenschaftler sie verstünden. Die Folge: „Sie publizieren in seriösen wissenschaftlichen Zeitschriften. … Unter ihnen herrscht Burgfrieden.“

Was genau Stadler will, bleibt leider im Ungefähren. Sicher ist bloß, dass er gegen Kreationisten poltert, dass er gegenüber allen anderen das Deutungsmonopol der Naturalisten aufrecht zu erhalten versucht und dass er seiner eigenen Zunft vors Schienenbein tritt.

Das ist schon dürftig genug, doch darüber hinaus fordert der Text da, wo er halbwegs verständlich ist, auch noch Widerspruch heraus: Die Zunft Stadlers ist nicht so schweigsam, wie er behauptet. Naturwissenschaftler publizieren keinesfalls nur in „seriösen Zeitschriften“. Wissenschaftlern, die sich „in Fragen des öffentlichen Lebens oder schlimmer des Glaubens“ einmischen, wird eher selten „Arroganz oder Pseudowissenschaftlichkeit“ vorgeworfen. Kinder „lernen“ nicht Begriffe wie Evolution, sondern lernen sie kennen oder erlernen ihren Gebrauch. Und wie war das doch gleich mit dem Biologiestudenten? Er „verinnerlicht sich die Evolution“, schreibt Stadler. Was immer er damit sagen will – so ist es garantiert falsch!

Stadler wirft seinen Kollegen vor, nicht „Klartext“ reden zu wollen. Und suggeriert, er würde es tun. Davon kann allerdings nicht die Rede sein. Krude Behauptungen, ein schlampiger Sprachgebrauch und das Nicht-Formulieren einer Botschaft, gepaart mit diffusen Unterstellungen ergeben nur weitere Unklarheit. Stadler ist ein Dunkelmann, wie er im Buche steht.