Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Karl Lehmann, äußert sich in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu der vom Vorsitzenden des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, vertretenen Auffassung, dass man den Stichtag zur verbrauchenden Stammzellenforschung verschieben könne.

Lehmann benennt in dem Artikel den zentralen Konflikt, um den es bei dieser Frage gehe, auch wenn er immer wieder überhaupt nicht thematisiert werde: „Es geht nämlich um den – wie man sagt – moralischen Status des Embryos, in der Folge um Menschenwürde und Lebensrecht im Blick auf ihn. Dabei darf man zwei verschiedene Tatbestände nicht übersehen, die nicht immer in aller Klarheit zum Ausdruck kommen. Bei der Herstellung von Stammzellen wird der Embryo getötet.“

Wann immer ein menschlicher Embryo zu Forschungszwecken verwendet werden solle, erklärt Lehmann, sei er zuvor gezielt dafür hergestellt worden bzw. habe bei einer künstlichen Befruchtung nicht mehr verwendet werden müssen, weil das Ziel erreicht worden sei. Lehmann: „Wie immer man sonst argumentiert: Der Embryo wird getötet, um Forschung betreiben zu können. Er wird – ganz im Sinne des Kantschen Denkens – nicht als Zweck an sich, sondern als bloßes Mittel behandelt.“

Allerdings müsse man bei der Embryonalentwicklung davon ausgehen – anders es die Befürworter verbrauchender Embryonenforschung häufig täten –, dass der Embryo von Beginn an Mensch sei und dass eine Grenze zum Menschsein nicht sinnvoll gezogen werden könne. Aus Gesprächen mit Wissenschaftlern wisse Lehmann, dass er mit dieser Auffassung „keine katholische Sondermeinung“ vertrete.

Angesichts derart grundlegender Fragen wie dem Beginn menschlichen Lebens, die nicht nur die Kirchen angingen, appelliere er für einen „reflektierten Dialog“ und gegen die Relativierung des Rechts auf Leben durch den Verweis auf „Güterabwägung“ oder „Verantwortungsethik“. Viel angemessener sei es, die „sichere Variante, „also in dubio ‚pro vita’ (zu) wählen – es könnte ja vielleicht trotz aller Skepsis von Anfang an ein Mensch sein.“