Warum ein Berliner Veranstalter sich dafür entschieden hatte, Klaus Mathwig von der Deutschen Gesellschaft für Transhumanismus (DeTrans) einzuladen, blieb unklar. Aber auch die Frage, warum De Trans Mathwig zu ihrem Vorsitzenden gewählt hat, ist einigermaßen rätselhaft. Denn es gelang ihm zwar, eine Powerpoint-Präsentation abzuhalten, aber alle weiteren Fragen konnte er im wesentlichen nur mit einem Achselzucken oder so unbefriedigend beantworten, dass sich viele im Publikum Lachen und Feixen nicht verkneifen konnten.

Laut Mathwig wollen die Transhumanisten das Leben mit neuen Technologien auf bis zu 1.000 Jahre verlängern und dazu so erfolgversprechende Methoden wie Gentechnik, Prothetik, Kryonik und Mind-Updating einsetzen. Letztlich strebe man die Transzendierung des Menschen durch Technik an. Alter sei als Krankheit zu begreifen und die „Verbesserung“ des menschlichen Körpers erstrebenswert.

Die Zuhörer fragten durchaus konstruktiv: Wie Mathwig zum Transhumanismus gekommen sei? Das könne er nicht so genau sagen, er sei eben sehr technikinteressiert, antwortete er. Später fiel ihm ein, dass er ja auch Angst vor dem Tod habe. Welche Gedanken hätten sich die Transhumanisten über die Frage gemacht, warum wir auf der Erde seien? Keine Antwort. Dächten die Transhumanisten systematisch darüber nach, welche psychischen und sozialen Folgen die „Verbesserung“ von Menschen hätte? Das wisse er nicht, aber sie seien ja bloß 60 Transhumanisten in Deutschland. Welchen Krankheitsbegriff er verwende? Darüber habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Und so weiter.

Als um so diskussions- und wertungsfreudiger entpuppte sich das Publikum. Der Transhumanismus sei eine atheistische Ideologie, die in ihrer Verbindung von Technikversessenheit mit Ideologie sehr an den Faschismus erinnere, meinte eine Teilnehmerin. Ein anderer bezweifelte, dass sich die Transhumanisten auf die Humanisten der Aufklärung berufen könnten, da sie die Verschmelzung von Mensch mit Technik anstrebten. Wieder ein anderer wies auf den grundsätzlichen Denkfehler hin: dass man annehme, das Gehirn funktioniere wie ein Computer. Doch da die Transhumanisten – wie überhaupt die Hirnforscher – überhaupt nicht begriffen hätten, wie das Gehirn funktioniere, handele es sich beim Transhumanismus um eine „Zukunftsphilosophie im Deckmantel der Wissenschaft“ und bei den Transhumanisten um eine Art Sekte.

Wenn Mathwig an diesem Abend gleichsam hingerichtet wurde, lag es nicht daran, wie ein Zuhörer mitleidig annahm, dass hier einer gegen alle diskutieren musste. Sondern daran, dass der Referent nicht einmal wusste, was ihn selbst umtreibt, ganz zu schweigen davon, was in seiner eigenen Organisation gerade diskutiert wurde. Das Reflexionsvermögen Mathwigs tendierte gegen Null. Historische Kenntnisse, zum Beispiel über den Humanismus, waren nicht erkennbar. Insgesamt vermittelte er den Eindruck, dass die Transhumanisten gerne Science-Fiction-Romane lesen und diese Phantasien in ihrem Verein weiterspinnen. Eine Rückkopplung an die Wirklichkeit findet ganz offensichtlich nicht statt.

Bleibt eine Frage offen: Sind diese Leute – unpolitische Technikfreaks mit hybrischen Sozialutopien – eigentlich gefährlich?