Wenn engagierte Bürger eine Stiftung gründen, ist das eigentlich eine gute Idee. Insofern ist die Errichtung der „Bürgerstiftung für die evangelische Kirchengemeinde Hochstadt“ zu loben und zu preisen. Die spätgotische Kirche in Maintal-Hochstadt – zwischen Frankfurt a.M. und Hanau gelegen – ist sicherlich der besonderen Aufmerksamkeit und Pflege bedürftig. Und wenn man die „kirchliche Arbeit der Gemeinde“ und den „sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde“ fördern möchte, handelt es sich um ein Vorhaben, das vermutlich allseits begrüßt wird.

Doch haben die Menschenfreunde in die Stiftungssatzung einen Satz hineingeschrieben, der Befremden auslöst. Da ist nämlich unvermittelt davon die Rede, dass die Stiftungszwecke unter anderem durch „die Förderung einer Erziehung im christlichen Sinne und die Abwehr fundamentalistischer und kreationistischer Tendenzen“ erreicht werden sollten.

Das erste nimmt man den Stiftern gerade noch ab: Evangelische Kirche und christliche Erziehung – alles klar. Aber was ist gemeint mit „Abwehr fundamentalistischer und kreationistischer Tendenzen“? Will man Fundamentalisten und Kreationisten den Zugang zum Abendmahl verwehren? Oder betet man fortan für Darwins und Dawkins’ Seelen? Und in welcher Weise könnten derartige Aktivitäten geeignet sein, z.B. den Dachstuhl regenfest zu machen (Stiftungszweck „Erhalt und der Pflege der Hochstädter Kirche“) oder die Kirchenmusik zu verbessern (Stiftungszweck „Förderung der Musik und der kulturellen Arbeit in Kirche und Gemeinde“)?

Ganz offensichtlich sind die braven Bürger davon überzeugt, dass erneut die Zeit gekommen ist, „Widerstand“ zu leisten. Dieses Mal geht es zwar nicht gegen den Atomtod oder die Klimakatastrophe, aber immerhin gegen den – Gottseibeiuns! – Kreationismus. Und wenn der Widerstand auch noch nichts kostet und man sich des Beifalls einer uninformierten Öffentlichkeit gewiss sein kann, warum nicht.

Doch die Hochstädter Protestanten erliegen einer Täuschung, wenn sie glauben, Gefahr drohe aus der genannten Ecke. Sie kommt vielmehr von innen. Mit der selbst auferlegten Aufgabe, „fundamentalistische und kreationistische Tendenzen“ zu bekämpfen, haben sie vor allem bewiesen, dass sie der naturalistischen Propaganda erlegen sind. Unter ihnen hat sich die Ideologie breitgemacht, deren Verfechter letztlich die Verdrängung oder zumindest Einhegung des Glaubens betreiben. Deshalb gehört auch die Bürger der Stiftung zu den „nützlichen Idioten“, die noch nicht gemerkt haben, dass es nach den Kreationisten auch den ach so aufgeklärten, modernen Christen an den Kragen gehen könnte.