In einem DPA-Interview hat sich Stammzellenforscher Hans Schöler über die Kritik aus der katholischen Kirche an der Diskussion über die Verschiebung des Stichtages zum Import von Stammzellen geäußert. Er echauffiert sich über vermeintliche Diffamierungen seiner eigenen Zunft und hält die Stichtagsregelung als solche für ein Misstrauensvotum, das aber überhaupt nicht berechtigt sei. Für die Debattenbeiträge aus den Kirchen hat Schöler deutliche Worte übrig. Wenn die katholische Bundesministerin Schavan für ihre nicht kirchenkonforme Meinung kritisiert werde, grenze das „an ein mehr als bedenkliches Denk- und Redeverbot.“

Dabei gehe es kirchlichen Würdenträgern jedoch weniger um die Sache als um die günstige Gelegenheit, sich gegenüber ihren Schäfchen zu profilieren. Denn es gebe doch eigentlich genügend Probleme, die die Kirchen anprangern könnten, zum Beispiel wenn Frauen aus sozialer Not abtreiben. Aber mit diesem Thema sei eben kein Blumentopf zu gewinnen. Schöler: „Mit offener Kritik an der heutigen Abtreibungspraxis würde die katholische Kirche bei uns vermutlich noch mehr an Zuspruch und damit auch noch mehr Anhänger verlieren, als es ohnehin schon der Fall ist. Also wird nun stellvertretend die Stammzellforschung als Thema aufgegriffen. Die ist momentan ein Feld, auf dem man scheinbar einfach und ohne großes Risiko über Ethik diskutieren und sich ins Gespräch bringen kann.“

„Bizarr“ nennt Patrick Bahners in der FAZ diese Position. Und hat völlig Recht damit. Was Herr Schöler über die Kirchen sagt, zeigt vor allem, dass dieser Wissenschaftler in seinem Labor und auf internationalen Konferenzen nicht mitbekommen hat, dass Fragen nach dem Beginn und dem Ende des Lebens – und insbesondere die Kritik an Abtreibungen – seit eh und je zum Grundrepertoire der Kirchen gehört. Beide Kirchen haben es überhaupt nicht nötig, sich hier zu profilieren.

Besonders aufschlussreich ist Herrn Schölers Versuch, einen Keil zwischen Kirchenführung und Kirchenvolk zu treiben. Indem er auf den Zug der Gerechtigkeitsdebatte aufspringt, glaubt er wohl, zwischen einem ‚modernen’ Christentum der Basis und einem rückwärtsgewandten ‚Fundamentalismus’ der Bischöfe trennen zu können. Er mag ja Recht mit der Vermutung haben, dass den Kirchen Mitglieder verloren gehen, wenn sie nicht dem Zeitgeist hinterherlaufen. Doch erstens hat sich für den vor allem die katholische Kirche noch selten interessiert, und zweitens ist nicht bewiesen, dass der Abwärtstrend der Mitgliederzahlen aufzuhalten wäre, wenn sie es täte.

Die Antworten im Interview zeigen sehr deutlich, was Herr Schöler über die aktuelle Debatte denkt: Er hat überhaupt nichts gegen Christen. Einige seiner besten Freunde sind Christen. Und die Christen können auch gerne Ethik und Moral predigen. Hauptsache, sie kommen ihm nicht in die Quere. Denn in seinem Labor herrschen eben andere Regeln, da hört die Gefühlsduselei und das Beharren auf Menschenrechten auf.

Man kann aus dem, was Herr Schöler sagt, nur den Schluss ziehen, dass insbesondere die katholische Kirche bis jetzt alles richtig gemacht hat.