In Ausgabe 1-2/2008 der Zeitschrift „Gehirn und Geist“ wendet sich Kristian Köchy, Professor für Philosophie an der Universität Kassel, gegen den Anspruch mancher Neurobiologen, die menschliche Moral untersuchen und erklären zu können. Der evolutionäre Erfolg des Menschen beruhe vor allem auf seiner Fähigkeit zur Kommunikation und sozialem Verhalten. Im Gegensatz zum Tier sei er nicht vor allem triebgesteuert, sondern zu kulturellen Leistungen fähig. „Der Mensch ist Natur- und Kulturwesen.“
Aus philosophischer Sicht sei es unerheblich, dass man „biologische Korrelate und Entstehungsbedingungen für menschliches Urteilen“ entdeckt habe. Denn was man da untersuche, sei nur die eine Seite des Doppelwesens Mensch: Zwar könne man mit bildgebenden Verfahren die Hirnaktivitäten eines Probanden beim moralischen Urteilen darstellen, allerdings seien die so erhobenen Daten ohne Relevanz, wenn man die kulturelle Dimension ignoriere. „Ohne kulturwissenschaftliche Zusatzinformation bleibt die moralische Bedeutung der untersuchten Szenarien oder Bilder daher offen. Ohne die Interpretation der Signalunterschiede in MRT-Aufnahmen stellen die empirischen Befunde der Hirnforschung nichts anders dar als bunte Bilder.“