Der Antrag auf Indizierung des „Ferkelbuchs“ mag abgelehnt worden sein – die Nähe zum Antisemitismus bleibt davon jedoch unberührt, meint Alexander Kissler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von heute (Seite 15). „Trotz dieses Urteils kehrte mit der Debatte die Nachtseite einer atheistisch zugespitzten Aufklärung zurück in die Öffentlichkeit. Diese Nachtseite ist die Versuchung zum Atheismus.“

Im Artikel „Die Wut auf die Differenz. Der Weg von der Religionskritik zum Antisemitismus war schon immer kurz, ob zur Zeit der Aufklärung oder im heutigen Atheismus“ referiert Kissler unter anderem Richard Dawkins, der den Juden „ihre vermeintliche Neigung zum Separatismus“ vorwerfe. Die Juden würden Mechanismen der Exklusion unterstützen und damit Gewalt fördern. Dabei würde das Ziel der Abschaffung doch gerade umgekehrt erreicht, nämlich durch die langfristig angelegte Vermischung von Religionen und Konfessionen. „Somit heißt das Credo einer breiten Strömung innerhalb des Neoatheismus: ‚Das Böse kam von den Juden.’“

Kissler gesteht Dwakins, Schmidt-Salomon und den anderen zu, keinen „eliminatorischen Antisemitismus“ zu vertreten. Allerdings stünden sie in einer langen, unseligen geistesgeschichtlichen Tradition, einer „Brachialaufklärung, die Vernunft und Glaubensferne in eins setzt.“ Es sei dringend notwendig, über derartige Aufklärer aufzuklären, da sie selbst nicht in der Lage seien zu erkennen, dass sie „in das trübe Fahrwasser einer zumindest latenten Judenfeindschaft geraten“ seien.