Dieser Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 16. März muss bei jedem aufrechten Darwinisten die Alarmglocken schrillen lassen.
Nicht nur äußert sich Autorin Tania Greiner höchst kritisch zu der Frage, wie und ob man den Gang der Fische aufs Land rekonstruieren könne. Darüber hinaus präsentiert sie auch noch einen Kronzeugen, der ihre Skepsis teilt: Bernd Herkner. „Häufig wird so getan, als sei die frühe Evolution der Wirbeltiere lückenlos erforscht“, zitiert sie ihn. „Die zum Bauplan der späteren Landwirbeltiere passende Urflosse ist aber noch nicht gefunden“. Herkner ist der Auffassung, dass in der öffentlichen Wahrnehmung Vorstellungen dominierten, die heute überholt seien. So sei zum Beispiel Eusthenopteron wohl doch nicht das lang gesuchte missing link. Herkner: „Heute glaubt in der Fachwelt niemand mehr, dass dieses Tier tatsächlich der erste Landgänger war, wie es noch fast jeder Schüler lernt.“
Man könnte über diese kreationistische Propaganda – denn darum handelt es sich ganz ohne Zweifel, denn es wird eindeutig der gemeinsame Ursprung aller Arten geleugnet – stillschweigend hinwegsehen, wenn, ja wenn Herkner nicht der Leiter des traditionsreichen Senckenbergmuseums in Frankfurt am Main wäre. Unglaublich: Ein Leugner Darwins an führender Stelle einer naturkundlichen Bildungseinrichtung! So weit ist die Unterwanderung der reinen Wissenschaft also schon gediehen – Herr Kutschera, übernehmen Sie!
26. März 2008 at 11:17
Hallo BK,
es ist eine geistig und argumentativ sehr erfrischende und und herausfordernde Leseart des Artikels, die Sie bringen. Ich finde diese Interpretation allerdings etwas übertrieben und aus dem Zusammenhang gerissen. Warum? Im Artikel wird zum Kreationismus nicht explizit Stellung bezogen und man kann aus ihm heraus ebensogut eine antikreationistische These formulieren: es ist nicht das Werk eines omnipotenten und omniscienten Schöpfers, dass wir 5 Finger haben, sondern ein evolutionärer Zufall im Sinne der darwinschen Evolutionstherorie. Ebensogut hätten es 6, 7 oder 8 Finger sein können mit denen wir durch die Welt spazieren, nur dass eben der erste Landgänger – und damit der Ursprung der Landgängerarten – 5 Finger hatte. Er hat sich aufgrund irgendwelcher Eigenschaften oder des Zufalls bzw. einer Kombination aus beidem durchgesetzt. Die 5 Finger scheinen dabei zumindest nicht hinderlich gewesen zu sein, vielleicht waren sie sogar eine Voraussetzung, aber das muß spekulativ bleiben. Als Fossil ist dieser Urur….urgroßvater (respektive -mutter) schlicht noch nicht entdeckt worden. Wir müssen also nach dem „missing link“ weiter suchen.
Das was an fossilem Fundmaterial als „missing link“ in den Schulbüchern verkauft wird sind zwar erste Landgänger aber eben welche, die sich nicht durchsetzen konnten und damit keine unserer Vorfahren, was sich anhand der jeweiligen Flossen- bzw. Handanatomie in den Funden belegen läßt. Das ist eine sehr spitzfindige aber wie ich finde wissenschaftlich notwendige Unterscheidung. Für den pädagogischen Zweck der Schulbücher ist diese Unterscheidung vielleicht in den niedrigen Jahrgangsstufen noch nicht einmal notwendig, aber man macht sich für die Kreationisten angreifbar, wenn man sie nicht durchführt.
Es ist naheliegend, dass es viele frühe Landgänger an verschiedenen Orten und in vielen ökologischen Nischen gab. Dies entspricht den Gegebenheiten, die wir bei heutigen Arten in geographisch getrennten aber ansonsten ähnlichen Lebensräumen vorfinden. In diesem Zusammenhang sind die Galapagosinseln im Vergleich zum Festland ein schönes Beispiel, wie von Darwin einst beschrieben. Von den vielen ersten Landgängerarten bildete nur eine Art den Ursprung der Landwirbeltiere – eben eine mit 5 Fingern. Und die ist noch nicht gefunden.
Das war meine Leseart des Artikels, die sich mit Ihren Zitaten übrigens auch hervorragend begründen läßt:
„Häufig wird so getan, als sei die frühe Evolution der Wirbeltiere lückenlos erforscht“. -> in den Schulbüchern
„Die zum Bauplan der späteren Landwirbeltiere passende Urflosse ist aber noch nicht gefunden“. -> scheint nach Expertenmeinung zu stimmen.
„Heute glaubt in der Fachwelt niemand mehr, dass dieses Tier tatsächlich der erste Landgänger war, wie es noch fast jeder Schüler lernt.“ -> hier ist mit erstem Landgänger auch der Ursprung der Landarten gemeint, das ergibt sich aus dem Kontext.
Leider habe ich den Artikel nicht mehr und kann daher keine eigenen Zitate bringen. MfG HS
26. März 2008 at 12:05
„Im Artikel wird zum Kreationismus nicht explizit Stellung bezogen“ – sehen Sie? So weit ist es schon gekommen: Jetzt schreiben die Kreationisten nicht einmal mehr offen, dass sie Kreationisten sind. Deshalb habe ich ja auch Herrn Kutschera aufgerufen, sich der Angelegenheit anzunehmen.
Ich empfehle immer wieder, seinen Artikel „The Basic Types of Life“ zu lesen, der unter http://www.evolutionsbiologen.de –> Publikationen –> Ausgabemonat 8/2007 heruntergeladen werden kann. Dort steht detailliert, wie sich die Kreationisten tarnen und was Kutschera dagegen unternimmt. Seeehr aufschlussreich!
26. Juli 2008 at 10:45
[...] Und wer das abstreitet, kann nur ein Verbalwissenschaftler oder – Theodor Dobzhansky bewahre! – ein Kreationist sein! [...]