Einschlägig bekannte Kreise in den Vereinigten Staaten streiten bereits seit einigen Monaten über einen Film, dessen offizieller Kinostart für den 18. April angekündigt ist: „Expelled – No Intelligence Allowed“ des Entertainers und Publizisten Ben Stein. In diesem Film beschuldigt Stein dem Vernehmen nach das evolutionstheoretisch orientierte Wissenschaftsestablishment der Behinderung von Wissenschaftlern, die das „Intelligent Design“-Paradigma bevorzugen.
In dem Film kommen auch Richard Dawkins und PZ Myers zu Wort, die sich als bekennende Atheisten und überzeugte Anhänger der Evolutionstheorie zu erkennen gegeben haben. Beide wollten sich vor kurzem eine Aufführung des Films ansehen, wobei Myers der Zutritt zum Kino verwehrt wurde, Dawkins jedoch nicht. Seitdem wird die Auseinandersetzung mit neuer Schärfe geführt. In der New York Times heißt es: „People who have seen the movie say it also suggests that there is a link between the theory of evolution and ideas like Nazism, something Dr. Dawkins called ‚a major outrage.’“
Dass der Darwinismus mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht wird, dürfte nicht grundsätzlich neu sei. Erstaunlich nur, meint John West im Blog des Dicovery Instituts, dass ausgerechnet Dawkins diesen Vorwurf thematisiere. Schließlich habe doch er selbst in einem Interview mit der Zeitung Die Presse diesen Zusammenhang hergestellt. Dort heißt es:
„(Frage:) In ‚The Ancestor’s Tale’ nennen Sie den Wohlfahrtsstaat eine ‚Herausforderung an den Darwinismus’. Wie kann man diese Herausforderung rechtfertigen? Dawkins: Kein anständiger Mensch will in einer Gesellschaft leben, die nach darwinistischen Gesetzen funktioniert. Ich bin leidenschaftlicher Darwinist, wenn es darum geht zu erklären, wie sich das Leben entwickelt hat. Aber ich bin leidenschaftlicher Anti-Darwinist, wenn es darum geht, in welcher Form von Gesellschaft wir leben wollen. Eine darwinistische Gesellschaft wäre ein faschistischer Staat.“
3. April 2008 at 22:29
Brrr, was für ein billiger Taschenspielertrick. Man unterscheide doch zwischen Darwinismus in der Evolutionsbiologie und Darwinismus in der Gesellschaft. Die Verbindung zwischen beiden wird von dem zitierten Film hergestellt, nicht von den Wissenschaftlern. Dawkins weist diese Verbindung zurück, und sagt klipp und klar, daß er von Sozialdarwinismus nichts hält.
Natürlich wäre “eine darwinistische Gesellschaft ein faschistischer Staat” – deswegen fordert das auch kein einziger Evolutionsbiologe.
Gaaanz billiger Strohmann. Etwas subtiler darf es dann schon sein. ;)
29. November 2008 at 17:25
[...] nicht in einer Gesellschaft, die nach darwinistischen Spielregeln funktioniert, leben zu wollen, weil diese faschistisch sei (Die Presse, 30.7.2005; Frage: Wie kann sich eine Gesellschaft bloß von diesen Regeln befreien, wo [...]