Seit Wochen schon machen sich darwinistisch dünkelnde Blogger im Internet über einen Film her, der erst jetzt in den US-amerikanischen Kinos angelaufen ist: Expelled – no intelligence allowed des Publizisten Ben Stein. Geradezu lüstern breiten sie jeden bekannt gewordenen Fehler aus, demonstrieren krampfhaft gute Laune und überbieten sich in schrillem, unfrohem Gelache. Kurzum: Sie machen eine Werbung, die sich die Produktionsfirma gar nicht hätte leisten können.
Jetzt ist der Sturm im Wasserglas aus dem Internet in die reale Welt geschwappt, und Gerti Schön hat in der Zeit vom 24. April 2008 (Nr. 18, S. 40) einen mahnenden Artikel „Kein intelligenter Dreh“ geschrieben. Während sie Michael Moores Fahrenheit 9/11 als „erfrischend subjektiv“ lobt, weil er „die Zitate seiner Protagonisten aus dem Zusammenhang reißt und das Mittel der Montage dazu nutzt, die Ideenwelt der Konservativen im Lager George W. Bushs zu demontieren“, empfindet sie Expelled dagegen „als plumpe Propaganda“. Außerdem kreidet sie dem Film an, dass er „ganz nebenbei auch Steins persönlichen Narzissmus befriedigt“.
Ist ja schrecklich: Ben Stein kommt mit subversiven Methoden an so erlauchte Gesprächspartner wie Richard Dawkins heran, dreht dann ein politisches Pamphlet, das mit suggestiven Schnitten arbeitet, und versäumt dabei nicht, die eigene Person in den Vordergrund zu stellen. Er bedient sich also insgesamt derselben Methoden wie Michael Moore, aber, so insinuiert Schön, quod licet Iovi, non licet bovi. Und schon gar nicht, wenn sich das Rindvieh für die wissenschaftlichen Underdogs der ID-Theoretiker in die Bresche wirft.
Und so bringt sich die Zeit mit diesem Artikel mal wieder sehr, sehr mutig als Vorkämpferin gegen die perfiden, dummen und gefährlichen Kreationisten in Stellung. Dabei lässt der Schluss des Artikels ahnen, wie einfältig, wie konventionell man im Hamburger Traditionsblatt denkt. Überheblich weist Schön auf eine Parodie hin, die bei YouTube angeblich kursiert: Sexpelled: No Intercourse allowed, soll der Film heißen, der „die dramatische Ausgrenzung von Forschern zeigt, die der Theorie anhängen, dass der Storch die Babys bringt.“ Ha, ha. Er ist bestimmt genauso lustig wie das fliegende Spaghettimonster.
8. September 2008 at 17:55
Ich gebe Dir recht, Michael Moore macht ganz subjektive, schäbige Filme, keine Frage. Genau wie Ben Stein!
Doch im Gegensatz zu Stein erfindet Moore keine Fakten oder spricht für eine Gruppe, die an ein vollkommen erfundenes Konstrukt namens Intelligent Design glaubt. Er reißt Fakten höchstens aus dem Zusammenhang – schlimm genug.
Und dass hinter Deiner feuilletonistisch verkappten Kritik am “Zeit”-Artikel eigentlich ein ziemlich plumpes Glaubensbekenntnis durchschimmert, sollte eigentlich jedem Aufgeklärten im glücklicherweise “post-religiösen” Europa zu denken geben.
Zum Glück sind solche Meinungen, wie Stein sie vertritt, bei uns nicht mehrheitsfähig. Einfach gruselig, der Mann, da hat die “Zeit” ganz recht.
Gruß, TB