Alexander Kissler hat in der Süddeutschen Zeitung dankenswerterweise eine breite Öffentlichkeit auf den neuesten Forschungsertrag des größten Pflanzenphysiologen aller Zeiten aufmerksam gemacht. Letztgenannter ist nicht nur ein berühmter Egelforscher und Lehrstuhlinhaber an der wichtigsten Universität Deutschlands, also der zu Kassel, sondern er geht auch noch in einer echten amerikanischen Eliteschmiede, also der Stanford University, ein und aus. Von da hat er natürlich einen hervorragenden Blick auf den stümperhaften Wissenschaftsbetrieb in Deutschland.
Dem guten Mann im sonnigen Kalifornien ist nun aufgefallen, dass in Deutschland die Geisteswissenschaften (unter anderem Philosophie, Theologie und – warum nicht, da kann man doch großzügig sein – Soziologie und Politologie) immer noch das Wort „Wissenschaft“ im Namen führen, obwohl sie sich doch gar nicht mit der Realität befassen. Bitte zu beachten: Real ist alles, was der der gute Mann anfassen oder „mit unserem Methodenarsenal nachweisen kann“. Der Rest gehört in die Sphäre des Verbalen, ist also nicht real.
Am Exempel eines „Ghost Scientist“ namens Florian Mildenberger erläutert er, worauf es bei der Beschreibung der Realität ankommt: Entscheidend ist es, dass der Realwissenschaftler alle „übernatürlichen Wirkfaktoren“ ausdrücklich ablehnt. Und wenn es um die Evolutionstheorie geht, dürfen weiterhin deutliche Worte der Distanzierung gegenüber „den Kreationisten“ nicht fehlen.
Allen Verbalwissenschaftlern und anderen Realitätsverweigerern sei deshalb nochmal ins Stammbuch geschrieben: Wer weiteren „verlässlichen, technologisch verwertbaren Wissensschatz“ aufbauen will, hat gefälligst ausdrücklich Naturalismus und Materialismus als maßgebliche Weltanschauung anzuerkennen. Man glaube allerdings nicht, unser Egelforscher führe mit dieser Forderung Verbales in die Welt des Realen ein. Das wäre ein Irrtum, denn ein klares Bekenntnis gehört zu „unserem Methodenarsenal“ einfach dazu! Und wer das abstreitet, kann nur ein Verbalwissenschaftler oder – Theodor Dobzhansky bewahre! – ein Kreationist sein!
26. Juli 2008 at 22:24
“Entscheidend ist es, dass der Realwissenschaftler alle „übernatürlichen Wirkfaktoren“ ausdrücklich ablehnt.”
Ist eine Unterscheidung der Wirkfaktoren in übernatürlich und natürlich überhaupt sinnvoll?
Nun ich kann mir was unter einem Wirkfaktor vorstellen, wenn er vorhanden ist erzeugt er eine bestimmte Wirkung.
Wie entscheidet man nun oh ein Wirkfaktor natürlich oder übernatürlich ist?