Sehr geehrter Herr Professor Kutschera,
in dem Interview, das in Focus erschienen ist, lese ich, dass Sie es das „Ziel der Evolutionsforschung“ nennen, „die Antriebskräfte des Arten- und Formenwandels zu verstehen“. Nun ist es so, dass schon Isaac Newton, rund 150 Jahre vor Darwin, diese Antriebskräfte des Arten- und Formenwandels, die „active principles“, die „Kräfte der Natur“ identifizierte. Da er die Materie („inanimate brute matter“) als absolut passiv und unfähig zu jeglicher Selbst-Bewegung, Selbst-Organisation oder Selbst-Evolution erkannte, verstand er, dass die verursachenden „Antriebskräfte“ hinter den empirisch erfahrbaren Veränderungen der Erscheinungen der materiellen Welt nicht ihrerseits materiell sein können. Es sind vielmehr, wenn Sie Newton lesen und nicht die Sekundärliteratur, reale messbare immaterielle Entitäten, „Felder“ wie das immaterelle Gravitationsfeld Newtons, das magnetische Feld, das Faraday entdeckte, das elektromagnetische Feld (Hertz), einschließlich des Willens der Lebewesen, den die Hirnforscher heute als elektrisches „Bereitschaftspotential“ messen können.
Darwins Beitrag bestand darin, dass er – Kind einer „aufgeklärten“, das heißt materialistisch denkenden Epoche – wieder, wie in vorwissenschaftlicher alter Zeit, die „Antriebskräfte des Arten- und Formenwandels“ der Materie selbst zuschrieb, als Eigenschaften und Fähigkeiten, welche die Materie aktiv beseelen oder dynamisieren sollen und ihre „Evolution“ eben als All-Ursache erscheinen lassen, und so jede transzendente Ursache einschließlich Gottes selbst als der „ersten Ursache“ scheinbar überflüssig machen. Das Instrument, mit dem die Biologie diesen Effekt heute dogmatisch institutionalisiert, ist der „methodische Atheismus“, der den Forschern verbietet, die Existenz immaterieller Ursachen auch nur in Erwägung zu ziehen.
Wer diese Zusammenhänge kennt, der weiß auch, was von Ihrem Lob Darwins als „Newton der Biologie“ zu halten ist. -
Amüsant fand ich übrigens die Bildunterschrift „Beim Schimpansen trennt der Kehlkopfdeckel die Wege für Atmung und Nahrung im Hals. Beim Neandertaler hat die Evolution diese Trennung aufgegeben“ (meine Hervorhebung). Offenbar hat „die Evolution“ bzw. die sich selbst evolutionierende Materie auch einen „Willen“, dieses oder jenes zu tun!?
Mit freundlichen Grüßen