Es ist durchaus verständlich, dass es Darwinisten gar nicht schätzen, wenn man sie in die Nähe Hitlers und der Nazis rückt. Doch es sind die Aussagen der Darwinisten selbst, die immer wieder diesen Vergleich nahelegen. Sie geben ihren Kritikern eine Steilvorlage nach der anderen. Jetzt äußerte sich der Direktor der Senckenberg-Gesellschaft in Frankfurt, Volker Mosbrugger, in einem Interview mit der Welt folgendermaßen:
„Welt Online: Herr Professor Mosbrugger, Sie haben die Menschen einmal als ganz normale Parasiten bezeichnet?
Professor Volker Mosbrugger: Ja, das stimmt. Der Mensch verhält sich auf der Erde ja nicht grundsätzlich anders als jedes beliebige Bakterium, jede Ameise oder jeder Vogel. Wir nutzen alle verfügbaren Ressourcen, um möglichst gut und zahlreich zu überleben. So machen das alle Lebewesen auf der Erde.“
Auch wenn Herr Mosbrugger sicherlich ein friedfertiger Mensch ist, der Gewalt ablehnt, so muss man doch darauf hinweisen dürfen, ja: müssen, dass am Beginn von Großverbrechen allzu oft die verbale Dehumanisierung steht. Man kann einen einzelnen Menschen aus dem „Universum der Verpflichtung“ (Helen Fein) ausschließen, einzelne Gruppen und eben auch die Menschheit als Ganze. Die Folgen mögen jeweils ganz andere sein, aber schrecklich sind sie in jedem Fall. Vor allem wenn die freundlichen Menschen vom Schlage Mosbruggers auch noch daran gehen, Handlungskonzepte zu entwerfen, die auf dieser verbalen Dehumanisierung beruhen. Mosbrugger:
„Wir müssen insbesondere die Rolle des Menschen im System Erde wieder besser begreifen und dann ‚vernünftig’, das heißt an den langfristigen Perspektiven orientiert, handeln.“
Das sind beunruhigende Aussichten. Wie soll denn eine Politik aussehen, die auf der Annahme beruht, der Mensch sei nichts anderes als ein Parasit? Man wagt es nicht, eine Antwort zu geben.
16. Dezember 2008 at 21:56
Lb.Bk, ich fürchte, daß diese Naturalismuskritik wenig überzeugend ist.
Was macht Mosbrugger denn eigentlich. Er beschreibt einen Sachverhalt so, wie er ihn sieht. Dem mag man zustimmen oder nicht. Im Angesicht der aktuellen wirtschaftlichen Probleme, verursacht durch maßlose Gier, ist doch die Mosbruggersche Sicht nicht abwegig.
Biologisch und global gesehen verhält sich die Menschheit parasitär, d.h. sie lebt nicht in einem nachhaltigen Verhältnis in ihrer Umwelt, sie lebt über ihre Verhältnisse. Das mag man bestreiten, aber eine Dehumanisierung des Menschen liegt hier doch nicht vor.
Wenn Moosbrugger im Weiteren an die Vernunft appeliert, ist das doch löblich, drückt sich darin doch die Hoffnung aus, naturwüchsiges (egoistisches) Verhalten korrigieren zu können.
Angreifbar scheint mir jedoch folgende Stellungnahme zu sein:
„WELT ONLINE: Wir beuten die Erde aus und sinnieren darüber und über vieles andere. Aber entsteht daraus nicht
auch eine Verantwortung gegenüber der Erde?
Mosbrugger: Nein, evolutionsbiologisch gesehen nicht unbedingt. Nur weil wir erkennen, dass die Ressourcen
nicht unendlich sind, sind wir nicht dazu verpflichtet, sie zu bewahren. Allerdings wäre es natürlich irrsinnig, das
nicht zu tun.“
Hier scheint mir die naturalistische Argumentation Moosbruggers zu versagen.Ich nehme die Evolutiontheorie ernst.Wenn man das tut, ist Verantwortungsbewußtsein gleichermaßen ein Ergebnis der Humanevolution. Das wird aber von ihm als Naturwissenschaftler ausgeblendet, wenn er sagt:“Nein, evolutionsbiologisch gesehen nicht unbedingt…“ Und er blendet es aus, weil in seiner naturwissenschaftlichen Denkweise gar kein Platz für dieses Phänomen ist.- Er spricht dann wie jedermann, wenn er fordert vernünftig an langfristigen Perspektiven orientiert zu handeln.Wobei man ihn dann fragen könnte, woher seine Orientierung (als teleologisches Element) dann kommt, wo doch die Naturwissenschaften jedes teleologische Denken ablehnen.
16. Dezember 2008 at 22:54
Ah, Quote Mining, immer wieder schön.
17. Dezember 2008 at 10:43
Gestern habe ich den Film „Der Tag, an dem die Erde still stand“ (2008) gesehen. In diesem Film wollen Aliens die Menschheit ausrotten um die Erde (=den Planeten und seine übrigen Lebewesen) zu retten, da der Mensch eine so destruktive Spezies ist. Der Mensch wird als bloße Plage des Planeten Erde angesehen und andere Organismen in kugelartige Archen evakuiert. (siehe auch Review unter http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Ticket;art2811,2681558)
Das Massenmorden wird im letzten Moment gestoppt als der Alien-Exekutor von einer sentimentalen Regung zusammen mit der Hoffnung auf eine Änderung des menschlichen Verhaltens umgestimmt wird.
Nun bin ich der tiefen Überzeugung, dass der Mensch respektvoll mit allem Leben umgehen muss und dazu gehört auch die Umwelt nicht rücksichtslos auszubeuten und zu zerstören. Gleichzeitig kann es aber nicht sein, dass wucherndes Grünzeug und gigantische Wildtierpopulationen wichtiger als der Mensch sind. Was ist die Pracht und Herrlichkeit des Lebens auf der Erde ohne den Menschen, der sich als vernunftbegabtes Lebewesen daran erfreuen und gestalten kann?
Es ist eine auf evolutionärem Gedankengut basierende Pseudoethik die menschliches Leben so gering achten kann und tierisches und pflanzliches Leben so hoch, dass dafür sogar die intentionale Vernichtung menschlichen Lebens akzeptabel scheint. Man könnte sagen, dass dies nur ein Film ist. Falsch, denn Massenmord am Menschen im Namen der Ökologie wurde vor einigen Jahren bereits angedacht:
„The only way to save the planet for the rest of the species is to reduce the human population to 10 percent of its current number.“
siehe Bericht unter:
http://www.worldnetdaily.com/index.php?fa=PAGE.view&pageId=35532
17. Dezember 2008 at 10:47
für einen tiefergehenden Bericht des Vorfalls:
http://www.sas.org/tcs/weeklyIssues_2006/2006-04-07/feature1p/index.html
18. Dezember 2008 at 11:22
Hallo Forbes!
Eine Anmerkung:
„Gleichzeitig kann es aber nicht sein, dass wucherndes Grünzeug und gigantische Wildtierpopulationen wichtiger als der Mensch sind.“
Wenn man der Meinung ist, daß mit dem Erscheinen des Menschen in der Natur ein wichtiger Prozeß in der Geschichte des Universums eingetreten ist, ist man gut beraten,auf das Wohlergehen von z.B.“wucherndem Grünzeug“ zu achten, „damit es dem Menschen wohlergehe“.
Eine kleiner Gedanke zeigt das schon. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die Menschheit von ca. 10 Nutzpflanzen (Kartoffeln, Getreide, Reis,etc.) abhängig ist, die ihrerseits wieder von einer Vielzahl anderer Organismen (z.B stickstoffbindende Bakterien, bodenbildende Pilze,etc.) abhängen. Wenn auch nur ein oder zwei dieser Nutzpflanzen ausfallen, kann man sich die Folgen leicht ausmalen. Um des Menschen willen ist es also notwendig, den Systemcharakter von Lebensgemeinschaften zu berücksichtigen und weniger die mittelalterliche Sicht von der Krone der Schöpfung, zu deren Freude alles erschaffen wurde, zu vertreten, denke ich.
Beste Grüße
19. Dezember 2008 at 15:12
@ misc:
Zur Sache, bitte!
19. Dezember 2008 at 15:17
@ Leuchtspur:
Insgesamt ist mir Ihr Vernunftbegriff nicht klar.
„Biologisch und global gesehen verhält sich die Menschheit parasitär, d.h. sie lebt nicht in einem nachhaltigen Verhältnis in ihrer Umwelt, sie lebt über ihre Verhältnisse. Das mag man bestreiten, aber eine Dehumanisierung des Menschen liegt hier doch nicht vor.“
Das – Nachhaltigkeit und Dehumanisierung – sind m.E. zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Dem ersten Satz kann ich bedingt zustimmen, allerdings sehe ich nichts „biologisch und global“. Den zweiten Satz kann ich aber nicht nachvollziehen. Wenn jemand den Menschen mit Parasiten vergleicht: Was soll das denn sonst sein, wenn nicht eine Dehumanisierung?
19. Dezember 2008 at 20:42
Lb. BK
Ich denke Mosbrugger benutzt in seiner Charakterisierung menschlichen Verhaltens den Ausdruck Parasit als biologischen Begriff aus dem Kontext Symbiont Parasit.
Mit global gesehen meine ich die Menschheit als Ganzes. Sie lebt ökologisch betrachtet über ihre Verhältnisse; wobei, sieht man genauer hin, die Verantwortlichkeiten dafür sicher unterschiedlich verteilt sind.
Soweit scheint mir die Beschreibung des Verhaltens der Menschheit nüchtern zu sein und keine naturalistische Attitüde.
Warum also sollte man es als Dehumanisierung bezeichnen, wenn M. sagt, der Mensch verhält sich wie ein Parasit? Es wäre doch fatal, würde der prassende Teil der Menschheit diese Kritik niedermachen, indem man ihr das Unwort „Dehumanisierung“ anheftet.
Ich bin überzeugt davon, daß durch das von M. beschriebene Verhalten das Projekt Menschheit eher gefördert denn zerstört wird, sollte man die enthaltene Wahrheit ernst nehmen.
19. Dezember 2008 at 21:54
Hallo Leuchtspur,
deine Argumentation verstehe ich nicht als Kritik meiner Haltung, spricht sie doch davon die Natur zum Wohlergehen des Menschen zu schützen.
Dem kann ich nur zustimmen! Meine etwas ‘griffigen’ Formulierungen stammen daher, dass ich gegen eine extreme letztlich _menschenfeindliche_ Haltung im Gewand des Naturschutzes argumentiert habe.
Darüber hinaus würde ich Tiere und Pflanzen nicht nur deshalb schützen, weil sie dem Menschen nützen, sondern weil ich sie als Schöpfungen Gottes respektiere. Bloß wäre das kein ‘Schutz um jeden Preis’ oder irgendeine naturromatische Sichtweise, die die Erde unbedingt in einen Wildpark verwandeln will und die Zurückdrängung des viergepunkteten Laubfrosches als unbedingtes ‘Vergehen’ ansehen würde.
Und nein: Die Sicht des Menschen als Krone der Schöpfung ist nicht mittelalterlich, noch bedeutet es gewissenlose Ausbeutung der Erde oder willentliche und sinnlose Vernichtung anderer Lebensformen. Wer den Menschen dagegen als Parasiten oder als Plage des Planeten tituliert wird genau eines bekommen: Mangelnder Respekt vor menschlichen Leben wird in mangelnden Respekt für alles andere übergehen.
Wenn der Mensch sich selbst nicht respektiert, dann kann er auch seine Mitgeschöpfe nicht achten.
23. Dezember 2008 at 18:35
Lb. Forbes
…“die Zurückdrängung des viergepunkteten Laubfrosches ….
Dazu fallen mir ganz aktuelle Vorkommnisse in meiner Region ein:
a) Ein Ratsherr echauffierte sich neulich in einer Ratssitzung über den Antrag einer Tierschutzgruppe, Kröten die sichere Überquerung einer Straße zu ermöglichen, mit den Worten, es doch doch eine Zumutung, daß Menschen auf dieses „Kroppzeug“ Rücksicht nehmen müssen.
b) Heute eine Meldung in der hiesigen Tageszeitung über die Verurteilung eines Jagdpächters, der systematisch Greifvögel vergiftet hat aus „Futterneid“.
c) In diesem Sommer beschwerten sich Hobbyangler und forderten, gegen Kormorane an einem hiesigen See vorzugehen, die dort ihren Lebensunterhalt finden und den Anglern dadurch ihr Hobby verleiden.
d) In meiner Nachbarschaft stehen Legebatterien mit tausenden Tieren in Käfighaltung, in denen den Tieren ihr ganzes Leben gestohlen wird.
Das geschieht hier und jetzt.Deswegen sollten wir uns sensibilisieren für Natur und gegen allzu egoistische Ansprüche von Menschen, die die Macht haben,über einen Teil der Natur zu verfügen.
Mir fällt dazu der Anfang eines Aufsatzes des Theologen Hans-Eckart Bahr:
„Die andere Befreiung – Predigt nach Paulus, Brief an die Römer 8, 19-23″ ein:
´ .. Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, daß die Kinder Gottes in Erscheinung treten… Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Vergeblichkeit ohne ihren Willen… auch die Kreatur wird frei werden von dem Leerlauf der Vergeblichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnt sich mit uns und ängstet sich noch immerdar. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst. . . warten auf die Erlösung unserer Natur. . .´
Angst haben – Hoffen – Erlöst werden. Alle Kreatur ängstet sich. . . alle Kreatur sehnt sich – nach Erlösung mit uns. Alle warten auf Befreiung, auf »die herrliche Freiheit der Kinder Gottes«. ,.Die Sehnsucht nach dem ganz anderen« also, eine »Sehnsucht danach, daß der Mörder nicht über das unschuldige Opfer triumphieren möge. . .«.
Ist es das? So hat Max Horkheimer kurz vor seinem Tode diese Sehnsucht beschworen. Ein Ende von Willkür, eine Erlösung von der Gewaltgeschichte, eine Versöhnung von Mensch und Natur, – daran haben auch die anderen großen deutschen Juden festgehalten, von Bloch bis Fromm…“
Ist es das? Besteht Hoffnung für den viergepunkteten Laubfrosch?
Ein frohes Weihnachtsfest!
17. Januar 2009 at 11:37
Dieser Eintrag ist „großer Blödsinn“ (um einmal den großen Reich-Ranicky zu zitieren).
Den Menschen als Parasiten zu bezeichnen, oder als Virus (-> Wachowski-Bürder), ist zunächst einmal ganz offenkundig wahr, aber es gilt hier eben für alle Menschen und nicht nur für die Juden, Nicht-Arier, Slawen oder wie man nun genau will. Ich sehe keine grundsätzliche Übereinstimmung dieser These mit der Übermenschen-Theorie der Nazis. Das wirkt arg konstruiert.
Nichtsdestotrotz war Darwin auch das, was man nachfolgend Sozialdarwinismus nennt, samt Eugenik, Euthanasie und so weiter, das ist kein Geheimnis.
Hier werden Gespenster an die Wand gemalt, die mir den Gedanken aufzwängen, hier schreibt ein gekränkter Geist, der seine Rolle als Krone der Schöpfung gefährdet sieht…
„Der Mensch ist lediglich ein Tier unter anderen Tieren, manchmal besser, häufig jedoch schlechter als die Vierbeiner, da er aufgrund seiner „göttlichen, geistigen und intellektuellen Entwicklung“ zum Bösartigsten aller Tiere geworden ist.“ sagte dazu Anton Szandor LaVey.
Langfristige Handlungsperspektiven bedeutet hier einfach: Die eigene Existenz akzeptieren und lernen damit als das intellektuelle Wesen, das zumindest einige von uns sind, umgehen. Der Mensch hat sich von grundlegenden Instinkten getrennt und die Kultur als seine Zweite Natur akzeptiert. „Einsicht ist der beste Weg zur Besserung“ ist hier das Stichwort.
„Was groß ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.“