Autsch, das tut weh! Peter Monnerjahn demonstriert auf Telepolis, wie schlecht er lesen kann und wie sehr bei ihm der Wunsch Vater des Gedankens ist. In seinem Artikel „Bischof Huber: Gott ist nicht real“ schreibt er:
„Wie der ehemalige Professor für Theologie in seinem Buch ‚Der christliche Glaube’ ausführt, ist es ein grundlegender Fehler, Gott als etwas anzusehen, das an die Bedingungen von Raum und Zeit, also der objektivierbaren Realität, gebunden ist. Hier stellt er sich unmissverständlich an die Seite anderer religionskritischer Stimmen wie der von Richard Dawkins, der ebenfalls darauf hinweist (u.a. in seinem Buch ‚The God Delusion’, dt. ‚Der Gotteswahn’), dass jegliche Gottheit nicht gut mit unseren Erkenntnissen über Raum und Zeit, also das Universum, in Einklang zu bringen ist. Den ‚Schöpfer’ dürfe man nicht, so Huber, als ‚eine in der Natur wirkende Kraft’ verstehen. Dadurch würde nämlich der Schöpfungsglaube zu einer wissenschaftlichen Hypothese, womit er ein ebenfalls durch Dawkins berühmt gewordenes Argument aufgreift.“
Dumm nur, dass Monnerjahns Interpretation der Huberschen Aussagen nicht stimmt und eigentlich das Gegenteil von dem, was er da herausliest, richtig ist. Huber sagt, dass Gott nicht objektivierbar ist und nicht mit den Methoden der Wissenschaft erfasst werden kann, weil er jenseits von Raum und Zeit ist. Dawkins dagegen versucht, Gott in menschliche Kategorien zu pressen, er würde seine Existenz gerne mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen können. Da das naturgemäß nicht geht, folgert er, dass es Gott nicht gibt.
Beider Aussagen widersprechen sich also diametral. Davon, dass sich Huber der naturalistischen Weltdeutung annähere, kann nicht die Rede sein.
2. Juni 2009 at 8:56
Wolfgang Huber (von Kreationismus und „Wissenschaftsgläubigkeit“ gleichermaßen genervt, wie man an vielen anderen Texten von ihm aufweisen) sagt nur, was ohnehin Stand der Theologie ist: Gott ist der „Ganz Andere“ (Otto), der nicht als Funktionsgröße in der Naturforschung aufgefasst werden sollte, etwa als fehlender Parameter einer „Weltformel“, der aber sehr wohl im eigenen Leben (einige meinen auch in der Geschichte ganzer Völker) erfahren werden kann, wenn man sich ihm öffnet und ihm die Chance gibt, sich zu erweisen.
Damit hat Gott für den gläubigen Menschen eine Bedeutung. Ein katholischer Physiker, mit dem ich am Rande einer Vortragsveranstaltung sprach, meinte, dass in seiner Dissertation Gott im Vorwort vorkäme, nicht aber in der wissenschaftlichen Abhandlung selbst. Das finde ich ein gutes Beispiel für Hubers Position. Ob Gott damit „real“ ist oder nicht, hängt wohl davon ab, was man als Realität auffasst. Ich sprach kürzlich mit einem Vedanta-Praktiker, der mir ziemlich überzeugend darlegte, dass das, was wir sinnlich erfahren, nicht real ist, das Transzendente, an das wir glauben, hingegen schon.
Josef
3. Juni 2009 at 6:39
Ich sag Ihnen was Realität ist: Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben.
Ohne die „objetivierbare Realität“ wären Sie weder in der Lage, das hier zu lesen, noch darauf zu antworten.
Das, was Sie antworten, ist allerdings nicht an eine objektive Realität gebunden.
Denn ernsthaft zu behaupten, dass die Frage nach dem, was real ist, davon abhängt was man als real bezeichnet, zeugt vor allem von Ihrer unnachahmlichen Fähigkeit, Begriffe beliebig unzudeuten und damit nichts Verlässliches mehr sagen zu können.
Wenn die Bedeutung der von Ihnen genutzen Worte genauso beliebig ist, wie die Auswahl Ihrer Hemden, kann man sich ausmalen, wie nah Sie jemals einer objektivierbaren Wahrheit kommen werden.
Wenn das, was hier in diesem Blog steht, nicht dem Wunsch nach einer objektivierbaren Realität entspringt, sondern rein geistige Spielereien mit Worten sind, verstehe ich endlich, wie sie an ein „Gott“ glauben können. Denn dieses „Gott“ ist ja nur ein Wort.
Da bin ich aber erleichtert. :)
3. Juni 2009 at 7:14
„… zeugt vor allem von Ihrer unnachahmlichen Fähigkeit, Begriffe beliebig unzudeuten und damit nichts Verlässliches mehr sagen zu können.“
Ich würde eher sagen, dass es einfach notwendig ist, Begriffe zu deuten. Wie sollte man sich sonst verständigen? Nach meiner Erfahrung besteht – nicht nur im Wissenschaftskontext – eine atemberaubende Uneinigkeit über vermeintlich klare Sachverhalte. Deshalb ist es dringend erforderlich, dass man sagt, was man unter einer bestimmten Sache, z.B. einem Begriff, versteht. Das hat aber nichts mit Beliebigkeit zu tun. Außerdem führt es nicht dazu, dass man „damit nichts Verlässliches mehr sagen“ kann, sondern dazu, dass man sich überhaupt erstmal versteht. Das ist gerade in der Wissenschaft unabdingbar. Und Verlässlichkeit erreichen Sie nicht dadurch, dass Sie Unterschiede begrifflich einebnen.
„Denn dieses ‘Gott’ ist ja nur ein Wort.“
„Gott“ ist ein Wort, ein Begriff oder eine Tatsache, je nach Kontext.
3. Juni 2009 at 7:56
Die „Deutung“ von Begriffen sollte aber nicht zum bloßen Selbstzweck verkommen, wie dies in der Theologie (und sonstigen Verbalwissenschaften) geschieht.
Begriffe haben vor allem eine Aufgabe, sie sollen etwas(!) bezeichnen.
Das Wort „Stuhl“ bezeichnet z.B. einen realen Gegenstand.
Das Wort „Freiheit“ ein sozio-intellektuelles Konstrukt, das nur in den Köpfen von Menschen existiert.
Ich welche dieser beiden Bezeichnungskategorien würden Sie ihr „Gott“ einordnen?
3. Juni 2009 at 12:18
Bevor ich auf Ihre Frage antworte, würde mich einmal interessieren, was Sie unter „real“ verstehen.
3. Juni 2009 at 20:06
Ich dachte, darüber bestünde Einigkeit?
Versuchen wir es doch damit:
http://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t
Ob Sie sich wohl damit einverstanden erklären können?
Man darf gespannt sein, ob Sie eine gänzlich neue und spannende Definition von Realität verfügen, als der Rest der Menschheit … :)
9. Juni 2009 at 17:03
Irgendwie bin ich gerade ein wenig baff: Da wählt sich einer als Pseudonym „sapere aude“ und wartet dann mit einem naiven Realismus auf. Bravo!
10. Juni 2009 at 7:49
„Naiver Realismus“ huh je? Bin gespannt, was Du zu bieten hast, Anonyma. Präpubertären Animismus?
4. Juni 2009 at 11:38
Sehr witzig …
4. Juni 2009 at 20:50
Och komm, Spaß muss sein :)
Also, einigen wir uns doch auf:
„Real ist dabei das, was auch außerhalb des Denkens existiert, d.h. unabhängig vom nur Gedacht-Sein: Inhalte von Vorstellungen, Gefühlen, Wünschen, Wahrnehmungen u.ä. gelten im Alltagsverständnis zunächst einmal als nicht der Realität zugehörig.“
Du mußt zugeben, dann ist ein „Gott“ eher nicht real, oder?
Wenn aber Inhalte von Vorstellungen, Gefühlen, Wünschen, Wahrnehmungen u.ä. auch als real gelten, dann sind auch „Götter“ real.
Wäre das so ungefähr vereinbar mit Deiner Vorstellung von der Realität von „Göttern“?