Der einschlägig bekannte Martin Urban schreibt in der Wochenzeitung Freitag:
„Von den 25 Millionen evangelischen Christen hierzulande geht eine Million sonntags in die Kirche, das sind vier Prozent. Sie wählen ihre Repräsentanten in die kirchlichen Gremien – und das sind natürlich auch eher schlichte, konservative Leute. Die Evangelische Allianz, das ‚Netzwerk evangelikaler Christen’ hat nach eigenen Angaben bundesweit etwa 1,3 Millionen Mitglieder, Freikirchler und Mitglieder von Erweckungsbewegungen allerdings mit eingeschlossen. Das heißt, die Anzahl der Evangelikalen und die Anzahl der evangelischen Kirchgänger stimmt in etwa überein.“
Urban will damit seine These unterstreichen, dass die christliche Lehre nur noch eine kleine, konservative, rückwärtsgewandte, verstockte, geistig minderbemittelte Minderheit anspricht, während die Aufgeklärten, Fortschrittlichen und Intellektuellen sich von den Kirchen abwenden. Sein Projekt ist es, das Christentum an die „Erkenntnisse“ der Wissenschaft anzupassen, um ihm ein solides Fundament zu geben, eines, das nicht nur aus einer Ansammlung von Projektionen besteht.
Wer Freunde hat wie Urban, braucht keine Feinde mehr. Wenn es stimmt, dass alle evangelischen Kirchgänger Fundamentalisten sind, dann ist es in der Tat sinnvoll, sie zu bekämpfen, schließlich sind die Fundamentalisten doch böse-böse, oder? Und hat man die Kirchen erst einmal geleert, ist der Platz frei für das aufgeklärte evangelische Christentum im Sinne Urbans. Wie das konkret aussehen und wer sich davon angesprochen fühlen soll, weiß zwar kein Mensch, auch Urban vermutlich nicht, aber das ist ja dann auch egal. Und warum sich ausgerechnet ein evangelischer Christ an der Abschaffung des evangelischen Christentums beteiligt haben wird, wird dann auch niemanden mehr wissen wollen.