Ein sympathisches Interview hat Harald Lesch, Professor für theoretische Astrophysik an der Münchner Universität und Moderator der ZDF-Sendung „Abenteuer Forschung“ der Wochenzeitung Jungle World gegeben. Darin spricht Lesch auch über das Verhältnis zwischen seiner wissenschaftlichen Forschung zum Beginn des Universums und seinem Glauben an Gott. Er präsentiert sich als methodischer Naturalist, der um die Grenzen der Wissenschaft weiß und sie respektiert.

„Man hat eine theoretische Vorstellung, macht eine Beobachtung und stellt dann fest, dass diese theoretischen Vorstellungen durch das, was man ­beobachtet, nicht erfüllt werden. Aber wir haben von der Bewegung der leuchtenden Materie bereits so viel verstanden, dass diese Anfangsvorstellungen durchaus berechtigt sind. Uns geht es ein bisschen so wie dem Betrunkenen, der unter der Laterne seinen Schlüssel sucht. Der Polizist kommt dazu und fragt, ob er den Schlüssel hier verloren habe. Und der Betrunkene antwortet: ‚Nein, aber hier habe ich wenigstens Licht.’ In diesem Sinne ist Grundlagenforschung immer ein bisschen Stochern im Nebel, und wenn man was findet, dann kann man gucken, ob man etwas damit anfangen kann. “

Auf die Frage nach der Vereinbarkeit seiner Tätigkeit als Forscher mit seinem protestantischen Glauben erklärt er:

„In meinem täglichen Tun als Naturwissenschaftler ist Gott zunächst mal kein Thema. Es gibt ja keine Gleichung, die wir benutzen, in der ein Gottes-, Hoffnungs- oder Angstterm vorkommt. Trotzdem haben alle Menschen Angst, Hoffnung und Visionen. Meine Glaubensvorstellung ist stark kantianisch geprägt, also von einer Vision, Ordentliches zu tun, für den Fall, dass es einen Gott gibt und ich mich rechtfertigen kann, für das, was ich tue. Was ich am Protestantismus sehr schätze, ist der Zweifel. Zweifel gehört zum Glauben, denn man kann sich nie wirklich sicher sein.“

Aber auch über Außerirdische kann Lesch wunderbar geistreich parlieren und anhand einer fiktiven Begegnung mit ihnen Lehrreiches über den Zustand der Erdenmenschen sagen.

Wie anders fällt das Interview mit Thomas Junker aus, das er der online-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft gegeben hat und das ungefähr zur selben Zeit veröffentlicht wurde. In gewohnt phantasieloser Weise gibt ein gewisser Jörg Dönges Stichworte, auf die Junker in der gewohnt autosuggestiven Weise eingeht. Man darf „Evolutionsleugner“ nicht unwidersprochen ihr „kreationistisches Weltbild“ verbreiten lassen und so weiter, salbadert er.

Es ist Zufall, dass die beiden Interviews fast zeitgleich publiziert wurden, aber ein schöner. Er zeigt eindrucksvoll, wie sich gute von schlechten Wissenschaftlern unterschieden. Ein guter wie Lesch hat sich eine kindliche Neugier bewahrt, die ihn befähigt, kreativ an die Erforschung des Universums zu gehen. Eine gehörige Portion Zweifel bewahrt ihn davor, Allmachtsphantasien zu entwickeln. Ein Antikreationist wie Junker produziert dagegen nur Langeweile. Er hat jeden eigenständigen Gedanken abgetötet und errichtet Dogmen und Denkverbote.